Donald Trump fuchtelte ein wenig mit den Armen herum, philosophierte kurz über den Begriff „Soccer” im Vergleich zu „Football” – und ließ die Frage zum drohenden Ticket-Skandal im Vorfeld der Fußball-WM an sich abprallen. Die WM-Endrunde sei die „erfolgreichste, die sie je hatten” – gemessen daran, wie schnell sich die Tickets verkaufen ließen. Der Präsident erzählte da allerdings nur die halbe Wahrheit.
Denn, die Verantwortlichen der FIFA um Präsident Gianni Infantino, hatten auch selten zuvor eine WM, die für derart viel Ärger gesorgt hat. Knapp zwei Wochen vor dem Beginn der Endrunde (11. Juni bis 19. Juli) hat die FIFA nun sogar juristischen Ärger am Hals. Die Generalstaatsanwaltschaften von New York und New Jersey kündigten eine aufsehenerregende Untersuchung "zu den Ticketverkaufspraktiken" des Weltverbands an.
Die Gründe für diesen Schritt seien rasant "explodierende Preise" sowie Berichte, wonach Fans über die Lage ihrer Sitzplätze getäuscht wurden, teilten die Staatsanwältinnen Letitia James und Jennifer Davenport mit. Davenport ist entschlossen, "eine gründliche Untersuchung des Verhaltens der FIFA durchzuführen", da der Weltverband den WM-Ticketverkauf in "einen Spießrutenlauf aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen verwandelt" habe. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP wollte sich die FIFA nicht zu dem Thema äußern.
Die Ermittlungen sollen Berichten nachgehen, wonach Fans über Sitzplatzlagen getäuscht und durch eine aggressive, nachfrageorientierte Preisgestaltung benachteiligt wurden, bei der die Preise je nach Verkaufszahlen steigen. Die Debatte dreht sich vor allem um das Finale im MetLife-Stadion in New Jersey vor den Toren New Yorks, insgesamt finden in dem NFL-Stadion der New York Giants und Jets acht WM-Spiele statt. Zusätzlich zu den Tickets kostet die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von New York aus zum Stadion knapp 100 Dollar, während Parkplätze 225 Dollar kosten. Auch Kalifornien geht dem Verdacht auf Ticket-Wucher bei der WM nach.
"Die New Yorker haben jahrelang darauf gewartet, dass die Weltmeisterschaft in ihre Nachbarschaft kommt, und sie verdienen eine faire Chance auf erschwingliche Tickets", sagte James, Generalstaatsanwältin des Bundesstaates: "Niemand sollte dazu manipuliert werden, horrend hohe Preise für Sitzplätze zu zahlen, und Fans sollten darauf vertrauen können, dass sie die Tickets erhalten, die sie gekauft haben."
Infantino hatte erst zu Beginn des Monats die Ticketpreise verteidigt. "Wir müssen den Markt betrachten – wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden", sagte er. Die Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) hat bereits vor Monaten die "Wucher"-Preise bei dem XXL-Turnier kritisiert und Ende März eine formelle Beschwerde über die FIFA bei der Europäischen Kommission eingereicht.