Haustiere

Anthropomorphismus – wann ist Zuviel zu viel? 

Unsere Haustiere sind soviel mehr als "nur ein Tier". Sie sind Partner-, oder Kinderersatz und werden meist vermenschlicht. Wann ist Zuviel zu viel?

Christine Kaltenecker
"Anthropomorphismus" beschreibt die Vermenschlichung von Tieren, oder auch Gegenständen. 
"Anthropomorphismus" beschreibt die Vermenschlichung von Tieren, oder auch Gegenständen. 
(Symbolbild) Getty Images/iStockphoto

Der Begriff "Anthropomorphismus" beschreibt die Vermenschlichung von Tieren, aber auch Gegenständen und ist allgegenwärtig. Man nehme nur einmal die Frage, wo man denn geparkt habe – wer antwortet schon mit "Mein Auto steht …"? Eher wahrscheinlich antworten wir mit "ICH stehe …". Anthropomorphe Dinge begegnen uns schon im Kleinkindalter mit Puppen und Stofftieren, die Namen bekommen und denen man vor allem als Kind Gefühle zuschreibt. Hierbei wird Empathie und Fürsorge geübt und das Identifizieren und Verständnis fällt natürlich bei Tieren mit Kleidung und menschlicher Sprache wesentlich leichter. 

Film und Fernsehen

Bereits in Fabeln und Märchen können Tiere sprechen, sind wie Menschen gekleidet und gehen beispielweise zur Arbeit. Während in "Rotkäppchen" der Wolf als Wolf und somit Wildtier dargestellt wird, trägt er bei den "Sieben Geißlein" Hose und Sakko, wenn er die ebenfalls gut gekleideten Zicklein in dem menschlich eingerichteten Haus zum Verstecken zwingt. 

Auch bei "Disney" fängt alles mit der gekleideten Mickey Mouse an, die vom Zauberlehrling bis zum Detektiv jeden menschlichen Job ergreift und für Unterhaltung sorgt. Klar, ein "König der Löwen" wäre ohne Dialoge und Gesang nur halb so schön und soll Kindern in spielerischer Form das Tierreich näherbringen. In "Zoomania" hat zwar jedes Tier fabelbelastete Eigenschaften (Schlauer Fuchs, langsames Faultier etc.), überschreitet aber mit dem "mutigen Kaninchen" durchaus eine Grenze. Auf den Punkt gebracht, lachen und weinen die animierten Tiere, oder auch Maschinen und Dinge (Cars, ToyStory) wie wir Menschen und leisten damit durchaus einen Beitrag zur Entwicklung des Einfühlungsvermögens eines Kindes. 

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    Was für ein wundervoll herbstlicher Anblick im Dublins Phoenix Park. Die Brunftzeit von Rehen und auch Hirschen kann allerdings ziemlich laut sein.
    Was für ein wundervoll herbstlicher Anblick im Dublins Phoenix Park. Die Brunftzeit von Rehen und auch Hirschen kann allerdings ziemlich laut sein.
    ©Picturedesk

    Säugetier, Säugetier

    Wir unterscheiden uns prinzipiell kaum von anderen Säugetieren, nur beim komplexen und abstrakten Denken sind wir im Stande wesentlich mehr zu leisten, als ein Hund oder eine Katze. Viele Experten arbeiteten Jahre auf Beweise hin, dass Tiere genauso fühlen und logisch denken können wie wir, weshalb die Vermenschlichung unserer Haustiere auch etwas sehr Gutes sein kann. Was uns ähnlich ist, wollen wir eher schützen und stärker verteidigen – aus Tierschutzsicht ein großes Plus. 

    Problematisch wird es dann, wenn die Vermenschlichung auch die Bedürfnisse des Tieres mit uns auf eine Stufe stellt. Denn Hunde wollen nicht den ganzen Tag bei Regenwetter auf der Couch liegen und sich nicht bewegen, auch tut man ihnen mit Pommes frites und Schokoeis keinen Gefallen. Und schon gar nicht wird sich dein Haustier für den neuen Kuschelpullover aus dem Internet bedanken, oder mit Stolz die neue Gucci-Sonnenbrille tragen. Dein Hund will sich auch trotz Schlafen im Bett im Schlammloch wälzen dürfen, durch den Wald fetzen, dir die Kokoscreme vom Wadl lecken und sich schamlos der Intimpflege im Kreis aller Besucher widmen. 

    Fazit: Lass deinen Hund Hund sein und deine Katze Katze. Und wenn alle tierischen Bedürfnisse gestillt wurden, darfst du auch gerne vom pelzigen "Kind" sprechen.