Wildtiere

Zwei Fischotterbabys machen Haringsee unsicher

Die nur wenige Wochen alten Fischotter-Weibchen kam unabhängig voneinander in die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) von Vier Pfoten.
Christine Scharfetter
25.08.2023, 09:11
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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der von Vier Pfoten geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) im Bezirk Gänserndorf (Niederösterreich) haben derzeit alle Hände voll zu tun: Vor kurzem kamen unabhängig voneinander zwei verwaiste Fischotterbabys dort an.

Beide sind Weibchen. Das eine ist wohl erst zwei bis drei Wochen, das zweite vermutlich schon sieben bis acht Wochen alt, heißt von Seiten der Tierschützer. Demnach wog das kleinere der beiden Otter bei der Übernahme nur 328 Gramm. Eine Spaziergängerin habe am Marchfeldkanal ein jämmerliches Pfeifen gehört und fand das Tier neben der Uferböschung.

"Wir glauben, dass die Ottermutter das Kleine bei einem Übersiedelungsversuch verloren hat. Es war auf jeden Fall sehr hungrig und hat sofort vom angebotenen Fläschchen mit Aufzuchtmilch getrunken. Mittlerweile hat Toni, wie wir sie genannt haben, schon 150 Gramm zugenommen", erzählt Vier-Pfoten-Tierarzt EGS-Leider Dr. Hans Frey.

Verspielte Ziehschwestern

Der zweite Findling wurde im burgenländischen Oberwart von Gemeindemitarbeitern in einem Kanal gefunden. Eine Tierärztin musste Franziska, so ihr Name, erstversorgen, weil sie schon sehr erschöpft war. In der EGS gewöhnt sie sich jetzt langsam an das Fläschchen.

Franziska habe ihre kleine Ziehschwester auch schon kennengelernt, und die beiden verstehen sich prächtig. "Wir müssen nur ein bisschen aufpassen, dass Franziska für die nur halb so große Toni nicht zu wild beim Spielen ist", so Frey.

Wichtiger Schritt

Dass die beiden Otter vergesellschaftet werden konnten, sei enorm wichtig. "Wenn die Tiere durch Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt und zahm werden, kann man sie nicht wieder auswildern. Jetzt haben sie die besten Chancen auf ein artgerechtes Leben in Freiheit, sobald sie groß genug sind."

Fischotter-Abschüsse erlaubt

In einigen Bundesländern gibt es mittlerweile Verordnungen, die Abschüsse von Fischottern erlauben, obwohl es streng geschützte Tiere sind. "Nicht nur aus Artenschutzgründen, sondern auch aus Tierschutzsicht ist der Abschuss der Fischotter höchst problematisch. Paarungen können beim Otter das ganze Jahr über erfolgen; das heißt, dass zu jeder Zeit Jungtiere da sein können, die elendig in ihrem Nest verenden, wenn die Mutter getötet wird. Junge Fischotter sind über ein Jahr lang von der Versorgung durch ihre Mutter abhängig, also sind von der Tötung eines weiblichen Fischotters immer auch Jungtiere betroffen", sagt Frey.

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