Tierhaltungskennzeichen soll für mehr Tierwohl sorgen

Laut Greenpeace erfüllen 90 Prozent des heimischen Schweinefleischs nicht einmal die Anforderungen der schlechtesten deutschen Haltungsstufe. Aktivisten fordern mehr Tierwohl und wollen eine Kennzeichnungspflicht auf Fleisch im Handel.
Laut Greenpeace erfüllen 90 Prozent des heimischen Schweinefleischs nicht einmal die Anforderungen der schlechtesten deutschen Haltungsstufe. Aktivisten fordern mehr Tierwohl und wollen eine Kennzeichnungspflicht auf Fleisch im Handel.© Greenpeace / Mitja Kobal
Bundesminister Johannes Rauch lud Vertreter der großen Supermarktketten zu einem "Tierwohlgipfel". Konkrete Vereinbarung soll bis Ende 2022 stehen.

Der auch für Tierschutz zuständige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) hat heute, Freitag, die Spitzen des Lebensmittelhandels zu einem "Tierwohlgipfel" geladen. Bei den Gesprächen steht eine Branchenvereinbarung für ein Tierhaltungskennzeichen im Mittelpunkt, das künftig für mehr Tierwohl sorgen soll. "Wir müssen anfangen, Tiere als Lebewesen zu sehen und nicht als Produkt", sagte Rauch beim "Doorstep" vor dem Gipfel.

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Konsumentinnen und Konsumenten sollen damit die Möglichkeit bekommen, sich bewusst für Fleisch mit höheren Haltungsstandards zu entscheiden.

Die teilnehmenden Lebensmittelhandelsketten Hofer, Lidl, Rewe und Spar sprachen sich bereits im Vorfeld für die Entwicklung eines Tierhaltungskennzeichens aus. Dieses Bekenntnis wurde bekräftigt. Rewe wies allerdings darauf hin, dass eine Branchenvereinbarung nur ein kleiner von vielen nötigen Schritten sei, "der aber nicht zu den notwendigen Verbesserungen der Haltungsbedingungen" beitrage.

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Verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch nach Haltungsform

Eine künftige Tierhaltungskennzeichnung soll es demnach Konsumentinnen und Konsumenten ermöglichen, mit einem Blick zu erkennen, welchem Tierhaltestandard die gekauften Fleischprodukte entsprechen. Geplant ist laut Tierschutz- und Gesundheitsminister Rauch auch, die Agrarmarkt Austria (AMA) einzubeziehen. "Viele Konsumenten wollen wissen, wie die Tiere gelebt haben, deren Fleisch sie an der Ladentheke oder im Supermarkt kaufen", betonte Rauch.

Kritik an dem Gipfel kam von der Landwirtschaftskammer und dem Bauernbund: Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, und Bauernbund-Präsident Georg Strasser bemängelten, dass keine Vertreter der Bauern zu dem Gipfel eingeladen waren.

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Bio Austria nannte die "verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch nach Haltungsform richtig und notwendig. Am Beispiel der Kennzeichnung von Eiern ist ersichtlich, wie eine solche Maßnahme zu einer Win-Win-Win Situation für alle wird - für die Bäuerinnen, die KonsumentInnen und für die Tiere", betonte Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. "Wesentlich wird sein, dass das Modell leicht zu unterscheidende Stufen enthält."

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Umweltschützer kritisieren AMA-Siegel

Vor dem Sozialministerium protestierten unterdessen Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace für die rasche Einführung eines Tierhaltungskennzeichens. Die Aktivisten kritisieren die mangelnde Transparenz bei Fleischprodukten und die Standards der AMA-Zertifizierung. So würde selbst AMA-zertifiziertes Fleisch nicht einmal die deutschen Tierhaltungs-Mindestkriterien erfüllen.

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Erst gestern, Donnerstag, wurden Bilder vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlicht, die dramatische Zustände in einem AMA-zertifizierten Mastbetrieb zeigten. So sollen etwa tote Tiere unter den lebenden gelegen haben. Der VGT sprach von "katastrophalen Zuständen mit zahllosen toten Tieren in verschiedenen Verwesungsstadien". Knochenreste würden beweisen, dass die Betreiber die toten Tiere sehr lange nicht entfernt hätten, hieß es in einer Aussendung des Vereins gegen Tierfabriken. Der VGT erstattete Anzeige gegen den Schweinemastbetrieb.

"Dieser Vorfall zeigt, dass das System nicht stimmt", so Rauch vor den Gipfelgesprächen. Daher arbeite man nun auch an einer Systemumstellung, damit "so etwas nicht mehr vorkommen kann".

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