Zehn Tage lang tappte man im Dunkeln – dann brachte ein DNA-Gutachten den Durchbruch. In Wien-Penzing wurde am Wochenende jener Mann festgenommen, der im Verdacht steht, eine 87-Jährige qualvoll erstickt zu haben – wir berichteten.
"Heute" fand den Gemeindebau im 14. Bezirk, wo der 61-Jährige zuletzt gewohnt haben soll. Nachbarn berichten, dass sie den WEGA-Einsatz mitten in der Nacht auf Freitag (30. Jänner) hörten – alles war voll mit Blaulicht, die Sirenen schallten.
Beim Festgenommenen handelt es sich um einen 61-jährigen Türken – wir berichteten. Laut "Heute"-Informationen ist er kein Unbekannter: Er gilt als "Seniorenschreck", soll in der Vergangenheit schon mit zahlreichen Betrugshandlungen an Pensionisten aufgefallen sein. Er ist achtfach einschlägig vorbestraft, saß bis vor Kurzem in der Justizanstalt Hirtenberg (NÖ) in Haft.
Eine eigene Wohnung hatte er daher noch nicht – er kam bei einer Freundin in Wien-Penzing unter. Genau in jenem Gemeindebau, in dem vor Jahren Serientäter Christian S. (52) sein Unwesen trieb. Zwei Menschen starben in der Wohnung des ehemaligen Katzenquälers. Internetbekanntschaften des Arbeitslosen starben jeweils nach Chemsex-Spielen. Ein Toter blieb drei Wochen in der Bettlade des bereits Verurteilten liegen, ehe Nachbarn wegen des Geruchs die Polizei riefen.
Christian S. wurde zu sieben Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person und Raubes verurteilt. Zusätzlich wurde die Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum angeordnet.
Der Fall, der Wien erschütterte, begann am 20. Jänner: In einem Seniorenheim in Döbling soll der Verdächtige eine 87-Jährige qualvoll erstickt haben. Danach wurde in alle Richtungen ermittelt – sowohl Heimbewohner als auch Angehörige und Personal konnten zunächst nicht ausgeschlossen werden.
Videos der Überwachungskameras wurden ausgewertet, außerdem wurden zusätzliche Sicherheitskräfte am Eingang als Verstärkung für den 24-Stunden-Portier postiert. Im Heim wurde das Thema Sicherheit plötzlich zum Dauerbrenner.
Ein DNA-Treffer soll die Kriminalbeamten auf die Spur gebracht haben. Danach schlugen die Ermittler zu: Das Landeskriminalamt nahm den Mann fest. Polizeisprecher Markus Dittrich wollte aufgrund der "sensiblen Phase der Ermittlungen" keine weiteren Details nennen. Der 61-Jährige sitzt nun in Haft und wird zum Mord im Seniorenheim befragt.
Der Zugriff erfolgte dort, wo der Verdächtige zuletzt gelebt haben soll – in einem Gemeindebau in Penzing. "Heute" sah sich vor Ort um, wo in der Nacht die Handschellen klickten. Nachbarn erzählen, dass sie Sirenen hörten und Blaulicht wahrnahmen. Erst nach dem Einsatz wurde vielen klar, dass es sich um einen Zugriff im Zusammenhang mit dem Mordfall handelte.
Nach dem Mord wird in der Park Residenz weiter über Sicherheitsmaßnahmen diskutiert. Direktor Georg Gonano erklärte gegenüber der "Krone", man habe die Präsenz an der 24-Stunden-Rezeption verstärkt. Der Haupteingang werde nun früher als üblich versperrt – eine "Gratwanderung", da die Senioren Mieter seien und sich frei bewegen dürften. Eine Festung wolle man dennoch nicht machen.