Doris N. (59) wollte sich etwas dazuverdienen. Da sie freie Kapazitäten und eine Vorliebe für Heimarbeit und Basteln hat, schaute sie sich auf Instagram um: "Ein Beitrag hat mich so begeistert, dass ich mir mehr Informationen angeschaut habe. Ich dachte, ich probiere es mal aus. Dann bin ich mit einer Hanna aus den USA in Kontakt gekommen. Sie meinte, sie sei von 'Amazon Handmade'", berichtet die Floridsdorferin.
Die 59-Jährige musste mehrere Fragen beantworten: "Dann hat sie mir geschrieben, dass die Firma mir die Materialien kostenlos schickt, und ich die Produkte dann nach einer Anleitung zusammenbauen soll. Wenn ich fertig bin, soll ich mich melden, dann kommt jemand die Produkte abholen."
Für die Kommunikation mit Hanna musste sich Doris N. extra Telegram installieren. Schon bald erhielt sie ihren ersten Arbeitsauftrag: "Ich sollte 1.000 Stück Stirnbänder herstellen, pro Stück sollte ich 0,50 Euro bekommen. Dann musste ich mich mit einem Code auf der Seite 'handmadeyogi.cc' registrieren. Sie wollte, dass ich ihr immer Screenshots schicke, wenn ich eine Aufgabe erledigt habe."
Die Materialien sollten dann in fünf bis sieben Tagen geliefert werden. Um die Wartezeit bis dahin zu überbrücken, wurde der 59-Jährigen vorgeschlagen, kleine Aufgaben zu erledigen. Dafür wurden dann Mini-(Geld-)Belohnungen versprochen. Die ersten Aufgaben waren leicht, Doris N. musste nur ein paar Produkte liken.
Doch dabei blieb es nicht: "Als nächste Aufgabe wurden mir drei Optionen angeboten. Ich sollte ein Produkt kaufen und dann gleich wieder auf Rückkauf drücken. Ich entschied mich für ein Produkt um 35 Euro mit einer Prämie von 14 Euro. Dann habe ich den Betrag überwiesen."
Als Belohnung für die ersten erledigten Aufgaben wurden der Wienerin sechs Euro aufs Konto überwiesen. Als Doris N. fragte, wann sie die 35 Euro für das Produkt wieder rücküberwiesen bekommt, erhielt sie zur Antwort, dass sie erst eine weitere Aufgabe erfüllen müsse. Sie entschied sich für ein Produkt um 15 Euro, dafür sollte sie sechs Euro Provision erhalten.
Nach Erledigung dieser Aufgabe wurden der 59-Jährigen 76 Euro überwiesen. Zudem wurde sie in die VIP-Gruppe auf Telegram eingeladen. Sie musste erneut mehrere Produkte liken, dann sollte sie erneut 100 Euro für ein Produkt überweisen.
Noch bevor sie den Betrag zurückfordern konnte, sollte schon der nächste Produktkauf erfolgen. Die günstigste Option: 390 Euro: "Das war mir dann doch zu viel. Ich habe geschrieben, dass ich aussteige. Sie haben darauf bestanden, dass ich erst die Aufgabe erledige – also das Produkt kaufe. Erst dann wollten sie mir die 100 Euro zurücküberweisen."
Doris N. erstattete Anzeige bei der Polizei (liegt "Heute" vor), meldete den Online-Finanzbetrug sowohl bei Instagram als auch bei der Internet-Ombudsstelle (diese benötigt alle Links, Anm.). "Zum Glück habe ich nur 100 Euro verloren. Aber andere investieren vielleicht mehr und verlieren dann auch mehr", so die Wienerin. Für Doris N. ist klar: "Es handelt sich hier eindeutig um Betrug. Ich habe den Verdacht, dass hier Geldwäsche im Spiel ist."