Die nackten Zahlen sind alarmierend –doch die konkreten Fälle zeigen, wie brutal der Hass wirklich ist.
Am 9. April eskaliert die Situation in einem Geschäft in Wien völlig: Ein Mann beschimpft den Inhaber als "Scheißjude", droht ihm und seiner Familie mit dem Tod und kündigt an, das Geschäft anzuzünden. Dann schlägt er plötzlich zu und verletzt den Mann.
Am 1. Juli wird eine Frau in der U-Bahn attackiert, weil sie eine Davidsternkette trägt. Ein Mann rempelt sie absichtlich an und beschimpft sie als "Judenschlampe".
Besonders verstörend ist ein Vorfall vom 7. August: Eine jüdische Familie steigt mit Kindern in ein Uber. Der Fahrer rastet aus, schreit sie als "Kindermörder" an, zwingt sie auszusteigen – und greift schließlich den Vater körperlich an.
Selbst vor Brandanschlägen schrecken Täter nicht zurück: Ende November wird vor einem Gebäude mit jüdischem Geschäftsführer ein Feuer gelegt. Dazu werden Parolen wie "Free Palestine" gesprüht.
Auch Drohungen sind Alltag. Ein Mann bekommt in einem Wiener Lokal zu hören, man hoffe, dass er sterbe. Zwei Frauen drohen ihm sogar offen mit Gewalt. In einem anderen Fall schreit ein Fahrer, er würde Juden "am liebsten alle überfahren und töten".
Die Liste geht weiter: Morddrohungen gegen das Jüdische Museum, aggressive Parolen vor Synagogen wie "Juden gehören zurück nach Auschwitz", Hetze im Internet und auf Demonstrationen.
Diese Einzelfälle sind Teil eines größeren Problems. Insgesamt wurden im Jahr 2025 genau 1.532 antisemitische Vorfälle gemeldet – so viele wie noch nie. Im Schnitt sind das mehr als vier pro Tag.
Die Bandbreite reicht von 19 physischen Angriffen über 27 Bedrohungen bis hin zu hunderten Fällen von Sachbeschädigung und verletzendem Verhalten.
Für Betroffene ist das längst Alltag geworden. "Der enthemmte Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 hat sich zu einem ständigen Begleiter im Alltag vieler Jüdinnen und Juden entwickelt", sagt IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele.
IKG-Präsident Oskar Deutsch warnt eindringlich: "Jüdisches Leben ist nur dank umfassender Sicherheitsmaßnahmen möglich. Die Kultusgemeinde gibt dafür mehr als 5 Millionen Euro jährlich aus – Mittel, die uns in Bildung, Jugendarbeit und Kultur fehlen."