Hundetrainerin klärt auf

Tödlicher Hundebiss: Erziehung ist "Aufgabe der Eltern"

Nach dem Tod von Matilda (4) stellt Hundetrainerin Sarah Fink klar: Für die Sicherheit von Kind und Hund sind zuerst die Eltern verantwortlich.
Victoria Carina  Frühwirth
31.07.2026, 05:15
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Gesetze, Wesenstests und behördliche Auflagen können Regeln vorgeben. Was zwischen Hund und Kind im eigenen Wohnzimmer passiert, liegt laut Hundetrainerin Sarah Fink aus Bad Fischau-Brunn aber vor allem in der Verantwortung der Eltern.

Eltern müssen beide Seiten im Blick haben

Für die erfahrene Trainerin mit 80.000 Followern auf Instagram stehen vorrangig die Eltern in der Verantwortung – nicht die Behörden. "Es ist in erster Linie die Aufgabe der Eltern, Hund und Kind zu beaufsichtigen, den Hund zu trainieren, Regeln für das Kind aufzustellen", stellt die Problemhunde-Expertin im "Heute"-Gespräch klar. "Das ist nicht wirklich die Aufgabe der Behörden."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Für Fink bedeutet Verantwortung nicht nur, den Hund unter Kontrolle zu halten. Auch Kinder müssen lernen, die Grenzen eines Tieres zu respektieren. Geht ein Hund beim Streicheln weg, darf das Kind ihm nicht folgen.

"Der Hund lernt: Wenn es mir zu viel wird, gehe ich. Ignoriere ich diese Signale dauerhaft, ist es deutlich wahrscheinlicher, dass der Hund irgendwann schnappt – weil Weggehen nicht mehr funktioniert hat", so die Hundetrainerin gegenüber "Heute".

Hund muss jederzeit ansprechbar bleiben

Besonders genau sollten Erwachsene hinschauen, wenn das Spiel zwischen Kind und Hund immer wilder wird. Lässt sich das Tier nicht mehr ansprechen oder abrufen, kann die Lage laut Fink außer Kontrolle geraten.

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Fink: "Das Wichtigste ist, dass die Basics sitzen. Gute Impulskontrolle, Orientierung, Ansprechbarkeit. Ich möchte jederzeit in der Lage sein, ein Spiel zwischen Hund und Kind zu unterbrechen – auch wenn der Hund keinerlei Aggressionsverhalten zeigt."

Matilda wurde nur vier Jahre alt

Wie schwer die Folgen einer falschen Einschätzung seines Hundes sein können, zeigt der Fall der vierjährigen Matilda. Das Mädchen wurde Anfang Juli in Drosa im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt vom eigenen Familienhund "Abel" tödlich verletzt.

Der American Staffordshire Terrier soll zunächst in einer Gitterbox gewesen sein. Ein Besucher soll ihn herausgelassen haben. Als Matilda den Hund streicheln wollte, griff das Tier an und verbiss sich in ihrem Bauch. Die anwesenden Erwachsenen konnten das Mädchen nicht mehr retten. Die Vierjährige starb noch vor Ort.

„Wenn ich die Entscheidung treffen müsste – es gäbe keine Rasselisten und keine Rasseverbote.“
Sarah FinkHundetrainerin

Besonders brisant: Der Hund soll bereits vor der tödlichen Attacke gebissen haben. Danach wurde er laut dem Bürgermeister beschlagnahmt, bestand jedoch einen vorgeschriebenen Wesenstest und kehrte in die Familie zurück.

"Hätte dringend abgeraten"

"Spätestens, wenn der Hund gebissen hat, sollte ein Trainer, der auf Problemhunde spezialisiert ist, dazugeholt werden! Ein guter Trainer kann die Situation einschätzen. Hat z. B. ein Zwergpudel eine alleinstehende Frau gebissen, weil er sein Futter verteidigt hat, dann kann man daran leicht arbeiten", so Sarah Fink.

Aber: "Hat aber, wie in dem aktuellen Fall, ein großer Hund mit viel Kraft seine Besitzerin massiv angegriffen und es leben kleine Kinder im Haus, dann wird ein guter Trainer vermutlich dazu raten, ein neues Zuhause ohne Kinder für den Hund zu suchen." Über die Rückkehr von Listenhund "Abel" sagt Fink: "Genau das hätte ich dieser Familie dringend abgeraten."

Trainerin gegen pauschale Verbote

Nach der Tragödie wird in Sachsen-Anhalt auch über eine Änderung des Hundegesetzes diskutiert. Fink hält von pauschalen Rasseverboten allerdings wenig: "Wenn ich die Entscheidung treffen müsste – es gäbe keine Rasselisten und keine Rasseverbote. Was ich für viel wichtiger halte: Aufklärung."

Wer einen Hund in eine Familie mit Kindern holt, müsse wissen, wofür die jeweilige Rasse ursprünglich gezüchtet wurde und welches Verhalten auftreten kann. Die entscheidenden Schutzmaßnahmen beginnen für Fink daher nicht bei den Behörden, sondern zu Hause.

Die Hundetrainerin zum Schluss: "Was ich mir wünsche, ist keine strengere Gesetzgebung – sondern bessere Aufklärung. Über Genetik, über Rasseeigenschaften, über Warnzeichen."

{title && {title} } VF, {title && {title} } 31.07.2026, 05:15