Tränen nach Olympia-Bronze: "Hatte noch nie Erfolge"

Shamil Borchashvili
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Emotion pur nach Olympia-Bronze! Shamil Borchashvili jubelt in Tokio über den Höhepunkt seiner Judo-Karriere, ließ den Tränen freien Lauf.

"Ich kann es noch nicht glauben. Der Tag ist so schön. Ich war schon in der Früh gut drauf, mental stark. Es hat einfach alles geklappt", jubelte der 26-Jährige. "Ich kann es noch nicht realisieren. Nach dem Kampf kamen mir die Tränen. Ich hatte noch keine großen Erfolge bis heute."

Tränen kamen Borchashvili, der sich im Bronze-Kampf gegen den Deutschen Dominic Ressel durchsetzte, auch im TV-Interview. Zu viel zu verarbeiten, zu überwältigend war der überraschende Erfolg. "Unsere Nationaltrainerin Yvonne Bönisch sagte heute früh zu mir: 'So einen Tag wirst du nicht oft bekommen. Genieße es und freue dich auf jeden Kampf. Mach dir keinen Druck, du bist nicht der Top-Favorit", berichtet der Bronze-Judoka.

Vom Flüchtling zum Medaillen-Helden

Als Außenseiter behielt Borchashvili die Nerven, verpasste den Finaleinzug nur knapp, setzte sich im Bronze-Kampf auf beeindruckende Weise durch. "Erst am 1. August 2017 wurde ich Österreicher", blickt der gebürtige Tschetschene auf ein Leben zurück, das ihn als Flüchtlingskind erst nach Traiskirchen, dann nach Wels brachte. "Erst vor drei Jahren konnte ich mich richtig auf die Vorbereitung konzentrieren. Ich will mich bei allen bedanken, kann keine Namen nennen, weil ich Angst habe, jemanden zu vergessen. Vom Verein bis zum Landeshauptmann."

Selbstzweifel und starke Nerven

Besonderen Dank gab es aber doch. "Danke an meine Eltern. Und an meinen kleinen Bruder, der mein Coach ist. Er hat mich vor jedem Kampf gepusht, mir dauernd Tipps gegeben. Wir trainieren jeden Tag extrem hart." Vor seinem Wettkampf-Tag sprach Borchashvili aber auch über Selbstzweifel. "Meine Schwäche ist, dass ich überheblich werde und gegen Leute verliere, gegen die ich nicht verlieren sollte", meinte er selbstkritisch. Nachsatz: "Es wird sich herausstellen, wer am coolsten ist. Ich glaube, dass die, die gegen mich kämpfen werden, mehr Druck haben als ich selbst."

Den Druck hat sich Borchashvili selbst genommen. Bronze ist der vorläufige Höhepunkt eines bewegten Lebens, das ihn nach der Flucht aus Tschetschenien nach Österreich führte, über Traiskirchen und Wels weiter nach Tokio, wo er die Nerven behielt und die zweite Medaille für Österreich nach Gold von Anna Kiesenhofer fixierte.

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