Österreich

Trauernde Mama kämpft um ihr Erbe

Eine Kärntner Pensionistin verlor ihren Sohn durch Corona und nun auch sein Erbe durch eine Testamentsänderung.
Sandra Kartik
22.02.2022, 15:55

Anastasia T. (88) aus Wolfsberg (Ktn.) trauert um ihren Sohn Albin. Der schwerkranke Mann, der an Schizophrenie und Epilepsie litt, verstarb im vergangenen Herbst nach einer Corona-Infektion. Zehn Wochen vor seinem Tod änderte der Kärntner sein Testament zugunsten eines Versicherungsberaters, der nun mehrere hunderttausend Euro erben wird.

Die Pensionistin will nach 70 Jahren der Pflege ihres Kindes das Testament anfechten. Jeden Tag war Anastasia T. bei ihrem Sohn in einem betreuten Wohnheim. Seine Angstzustände und Schwindelattacken hätten zuletzt zugenommen, berichtet sie. Damals habe Albin T. auch sein neues, drittes Testament gemacht, in dem die Mutter des Verstorbenen erstmals nicht als Alleinerbin geführt wurde. Stattdessen vererbte er einem Versicherungsberater sein gesamtes Vermögen, einen sechsstelligen Betrag.

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"Mir ist vor den Augen schwarz geworden"

Erst beim Notar erfuhr Anastasia T. davon. "Mir ist vor den Augen schwarz geworden, das ist eine traurige Angelegenheit, dass man einem kranken Menschen als Außenstehender so nahe kommen kann", sagt sie gegenüber dem "ORF" traurig. Sie glaube nicht daran, dass ihr Sohn das aus freien Stücken gemacht habe.

Der Erbe ist kein Unbekannter. Seit 25 Jahren war der Makler für Familie T. tätig, führt dessen Anwalt Werner Poms an. Das strittige Testament sei auch in seiner Kanzlei angefertigt worden. Albin T. habe damit gerechnet, seine 88-jährige Mutter zu überleben und deshalb das Testament ändern lassen. 

Erbe will Mama einen Teil abgeben

Seinem Mandanten sei das Geld auch deshalb willkommen, weil er einen behinderten Enkel habe. Ihn habe Albin T. unterstützen wollen. "Beim geringsten Zweifel an seiner Geschäftsfähigkeit hätte ich das Testament nicht verfasst", betont Poms gegenüber dem "ORF". Sein Mandant sei bereit, Anastasia T. einen Betrag des Erbes abzugeben, der aufgrund des Gesetzes aber nicht allzu üppig ausfallen dürfte.

Für die trauernde Mutter ist das zu wenig. Sie meldet über ihren Anwalt Zweifel an und will das Testament bestreiten. Wenn es bei der nächsten Verlassabhandlung nicht zu einer Lösung kommt, muss das Gericht entscheiden.