Treibhausgasbilanz – Debatte um Tempolimit neu entfacht

Der Verkehr ist im Klimaschutz Österreichs "Sorgenkind Nr. 1". Ein Tempolimit könnte rasch Emissionen reduzieren.
Der Verkehr ist im Klimaschutz Österreichs "Sorgenkind Nr. 1". Ein Tempolimit könnte rasch Emissionen reduzieren.Weingartner-Foto / picturedesk.com
Rasch umsetzbar und effektiv: 830.000 Tonnen CO2 pro Jahr könnten laut Umweltbundesamt durch Tempolimits vermieden werden.

Auch wenn im Jahr 2022 die CO2-Emissionen des Verkehrs leicht gesunken sind, verweist der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) darauf, dass die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs um über 50 Prozent höher als im Jahr 1990 sind. Es seien "deutlich größere Schritte" nötig, um im Verkehr die CO2-Emissionen zu reduzieren.

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Die Treibhausgasemissionen müssten rasch reduziert werden, sonst komme es zu Kipppunkten, die nicht mehr umkehrbar seien, warnte der VCÖ in einer Aussendung.

Im Verkehrsbereich sind die Emissionen laut dem jüngsten Bericht des Umweltbundesamtes gegenüber 2020 durch den höheren Kraftstoffabsatz um 4,2 Prozent bzw. 0,9 Millionen Tonnen gestiegen. Gleichzeitig sei, wie in der Nahzeitprognose (NowCast) von August 2022 prognostiziert, beim Verkehr eine deutliche positive Änderung gegenüber der Zeit vor der Pandemie erkennbar.

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Denn laut Umweltbundesamt gingen die Emissionen 2021 gegenüber 2019 um zehn Prozent bzw. um 2,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurück. Man sei beim "Sorgenkind Verkehr" auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne). "Der aktuelle Trend muss deutlich stärker weiter nach unten gehen."

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Tempolimit – keine Mehrheit im Nationalrat

Pro Kopf verursache Österreich mit 8,6 Tonnen pro Jahr fast doppelt so viele Treibhausgase wie im globalen Durchschnitt. Das derzeit ungenutzte Klimaschutzpotenzial im Verkehrsbereich müsse daher "endlich" genutzt werden, Mobilitätsangebote müssten sowohl in Ballungsräumen als auch am Land – von ausgebauten Radwegen, mehr öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Sammeltaxis – ausgebaut werden.

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Großen Nutzen mit geringem Aufwand würden Geschwindigkeitsreduzierungen haben: Allein 830.000 Tonnen CO2 pro Jahr können laut Umweltbundesamt durch Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen und Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen vermieden werden.

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Noch im Sommer hatte Gewessler in der Debatte um eine solche Maßnahme auf Freiwilligkeit verwiesen – gegenüber der "Kleinen Zeitung" bezeichnete sie Tempolimits jedoch kürzlich als "sinnvoll". Die Maßnahme Tempo 100 werde gerade "sehr intensiv diskutiert" und sei sinnvoll, "weil sie weniger Verkehrstote bringt, weil sie weniger Emissionen verursacht, weil sie Geld spart, weil sie sozial gerecht ist und man kaum Zeit verliert." Aber es gebe dafür im Nationalrat keine Mehrheit. ÖVP, SPÖ, FPÖ und NEOS seien dagegen. "Daher bleibt mir nur der Appell: Bitte leisten Sie diesen Beitrag und fahren Sie langsamer", sagte Gewessler.

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Auch in Deutschland Debatte um Tempolimits

Auch in Deutschland ist nun die Debatte um Tempolimits auf Autobahnen entflammt. Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem es kein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen gibt. In den anderen EU-Staaten gilt in der Regel eine Höchstgeschwindigkeit von 120 oder 130 Kilometer pro Stunde.

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Einer neuen Studie des deutschen Umweltbundesamts zufolge brächte ein Tempolimit mehr CO2-Einsparung als bisher angenommen. Ein Tempolimit könne Treibhausgasemissionen in Höhe von 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen, teilte das deutsche Umweltbundesamt (UBA) am Montag mit. Das widerspricht der Argumentation von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), laut der ein Tempolimit kaum Emissionen einsparen würde.

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Wissing hatte erst am Wochenende in der "Bild am Sonntag" betont: "Das Tempo gehört in die Eigenverantwortung der Bürger, solange andere nicht gefährdet werden. Der Staat sollte sich hier zurückhalten." 

In Umfragen hat sich allerdings eine Mehrheit der Befragten für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen.

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