Lokal-Betreiber kämpft weiter

Trotz harter Sparmaßnahmen – Wirt muss Preise erhöhen

Im Traditionsgasthaus "Schwabl Wirt" versuchen die Betreiber seit Corona alles, um Kosten zu senken. Jetzt bleibt nur noch ein Schritt.
Michael Pollak
08.04.2026, 21:28
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Seit der Corona-Pandemie explodieren die Preise auch für Wirt Thomas Schwabl. Der Betreiber des Gasthaus Schwabl (Wien-Landstraße) dreht seitdem an allen Schrauben, um seinen Betrieb wirtschaftlich gesund zu halten. Doch jetzt geht es ohne gewisse Preiserhöhungen nicht mehr.

Dabei hat der Wirt – seine Stammgäste kommen bis zu viermal pro Woche – früh begonnen zu sparen, vor allem bei der Energie. In seinem gemütlichen Lokal in der Nähe des Praters setzt er auf moderne Wärmerückgewinnung. Warme Abluft aus Gastraum und Küche wird genutzt, um frische Luft vorzuwärmen. Auch die enorme Hitze aus Kühlanlagen im Keller wird gesammelt und für das Warmwasser verwendet.

Große Ersparnisse (bis zu 10 Prozent) brachten auch neue Öffnungszeiten. Früher gab es warme Küche bis 22.30 Uhr, mittlerweile ist schon um 21.30 Uhr Schluss. "Das Geschäft ist gut, aber die Leute gehen früher heim", sagt Schwabl zu "Heute". Früher wäre ein Zusperren vor Mitternacht undenkbar gewesen, jetzt ist spätestens um 23 Uhr Schluss.

Die wahre Kosten-Explosion kam mit dem Ukraine-Krieg. Davor zahlte der Wirt rund 1.500 Euro für Strom und 800 Euro für Gas im Monat. Seitdem schnalzten die Ausgaben auf 6.700 Euro für Strom und 2.400 Euro für Gas hinauf.

Auch bei Lebensmitteln gibt es massive Teuerungen. Fleisch, Gemüse und sogar Frittieröl haben sich deutlich verteuert. Allein das Auftanken eines Liefer-Lkw kostet mittlerweile fast doppelt so viel wie früher – ein Kostenfaktor, der direkt bei den Wirten ankommt.

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Gleichzeitig steigen auch die Personalkosten weiter, ab Mai zahlt er seinen Mitarbeitern die nächste Kollektivvertrags-Erhöhung. Auch Sozialversicherungsbeiträge steigen dadurch.

„Habe Angst, dass Gäste seltener kommen“
Thomas Schwabl

Trotz allem hat der Wirt die Preise auf seiner Menü-Karte lange hinausgezögert. "Ich überlege jede Erhöhung", sagt Schwabl. "Ich bin ja selbst auch Konsument. Ich habe Angst, dass Gäste seltener kommen."

Doch jetzt steht der nächste Schritt bevor. In den kommenden Wochen werden einzelne Gerichte teurer. Fisch könnte etwa um einen Euro steigen, Fleischspeisen etwa halb so stark. Bier bleibt vorerst noch gleich, die letzte Erhöhung gab es im Herbst.

Dennoch: Der Wirt, dessen Stammgäste bis zu viermal pro Woche kommen, hat sehr moderate Preise – vor allem auch für die Nähe zur Innenstadt. Fisch ist ab 19,90 Euro zu haben, Wienerschnitzel vom Schwein um 16,50 Euro.

Der Wirt mit Leib und Seele ist dennoch nervös vor dem kommenden Schritt: "Oft denke ich mir, ich traue mich nicht mehr. Wie viel soll denn das Schnitzel kosten?" Doch die Anpassungen geschehen aus Notwendigkeit. Viele andere Betriebe haben die letzten Jahre nicht überlebt, deren Wirte haben wohl zu schlecht gerechnet.

{title && {title} } POM, {title && {title} } 08.04.2026, 21:28
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