Wer diesen Sommer im Jörgerbad schwimmen will, steht vor verschlossenen Türen. Die Stadt hat die gesamte Anlage für eine Generalsanierung gesperrt, die bis Ende 2027 dauern soll, wie der "ORF" berichtet. Mit der Schließung müssen Badegäste aus Hernals in den kommenden Jahren auf andere Standorte ausweichen.
Auch wenn die Bauarbeiten das Hallenbad betreffen, bleibt das Freibad ebenfalls geschlossen. Wie Martin Kotinsky von der MA 44 erklärt, wird dessen Fläche für die Baustelleneinrichtung benötigt. Die Sanierung sei bereits einmal verschoben worden, eine weitere Verzögerung komme wegen der langfristigen Planung und Budgetierung nicht infrage.
Im Zuge der Arbeiten wird die technische Ausstattung des Bades umfassend erneuert. Geplant sind unter anderem eine neue Badewassertechnik und moderne Lüftungsanlagen. Zusätzlich werden Energiesparmaßnahmen umgesetzt, die Dachkonstruktion instand gesetzt und die Holzschalung an der Decke der Schwimmhalle erneuert. Auch für das zweite Obergeschoß ist ein neues Nutzungskonzept vorgesehen. Darüber hinaus werden die Sanitärbereiche sowie der Beckenumgang modernisiert.
Nach Angaben der Stadt belaufen sich die Kosten auf rund 5,25 Millionen Euro. Die letzte Generalsanierung des Jörgerbads liegt mehrere Jahrzehnte zurück: Sie wurde zwischen 1968 und 1978 durchgeführt. Seitdem beschränkten sich die Arbeiten auf kleinere und mittlere Sanierungsmaßnahmen.
Mit dem Baustart steht in Hernals derzeit kein öffentlich zugängliches Schwimmbad mehr zur Verfügung. Bereits im Vorjahr sperrte auch das private Bad Neuwaldegg zu. Wann es wieder öffnet, ist offen, derzeit wird nach einem neuen Betreiber gesucht.
Die MA 44 sieht darin dennoch keine Ausnahmesituation. Das Bäderangebot in Wien werde bezirksübergreifend genutzt. Als Alternativen nennt die Stadt das Kongressbad, das Schafbergbad sowie das Ottakringer und das Döblinger Bad.
Nach Angaben der MA 44 besuchen pro Sommersaison rund 40.000 bis 45.000 Menschen das Jörgerbad, einschließlich der Schwimmhalle. Trotzdem rechnet die Stadt nicht mit einem starken Besucheranstieg in den umliegenden Bädern. Zusätzliche Öffnungszeiten oder mehr Personal seien daher nicht geplant.
Scharfe Kritik kommt von der FPÖ: "Wenn die MA 44 selbst bestätigt, dass es sich um ein langfristig geplantes Sanierungsprojekt handelt, dann ist völlig unverständlich, warum die Bauarbeiten mitten in der Hochsaison beginnen müssen. Solche Arbeiten hätten problemlos auf September oder Oktober verschoben werden können", so FP-Bädersprecher Michael Stumpf. "Stattdessen leiden einmal mehr die Wiener unter den Planungsfehlern der rot-pinken Stadtregierung."
Gerade in einem Sommer mit Rekordtemperaturen und einem enormen Ansturm auf die Freibäder müsse ein Vollbetrieb gewährleistet sein, so Stumpf weiter. "Während die Stadt den Wienern erzählt, wie wichtig die Freibäder als Hitzeschutz sind, nimmt sie gleichzeitig ein weiteres Angebot vom Netz. Diese Widersprüchlichkeit ist sinnbildlich für eine Politik, die auf die Interessen ihrer Bevölkerung pfeift."