Wendepunkt

Erst als Terrorist gesucht, nun auf Besuch bei Trump

Der syrische Übergangspräsident al-Scharaa wird erstmals im Weißen Haus empfangen – ein Signal für Kurswechsel in der US-Nahostpolitik.
Newsdesk Heute
08.11.2025, 19:47
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Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa wird am Montag von US-Präsident Donald Trump zu einem historischen Besuch im Weißen Haus empfangen.

Dafür wurde schon im Vorfeld der Weg frei gemacht: Am Freitag hat die US-Regierung den früheren Dschihadisten von ihrer Terrorliste gestrichen, und einen Tag davor hat der UNO-Sicherheitsrat auf Initiative der USA für die Aufhebung der Sanktionen gegen al-Scharaa gestimmt. Damit steht dem Besuch des bis jetzt auf der US-Liste als "besonders hervorgehobener globaler Terrorist" geführten Präsidenten nichts mehr im Weg.

Beide Seiten setzen große Hoffnungen in das Treffen. Laut dem US-Syriengesandten Tom Barrack soll der frühere Dschihadist bei seinem Besuch ein Abkommen über Syriens Beitritt zur US-geführten internationalen Koalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unterschreiben. Außerdem planen die USA laut Diplomatenangaben die Errichtung eines Militärstützpunkts in der Nähe von Damaskus.

"Neues Kapitel der amerikanischen Nahost-Politik"

Al-Scharaa wiederum erhofft sich neben dem Prestigegewinn durch den ersten Empfang eines syrischen Staatschefs im Weißen Haus vor allem finanzielle Zusagen für den Wiederaufbau seines vom jahrelangen Bürgerkrieg zerstörten Landes.

Der Besuch leite "ein neues Kapitel der amerikanischen Nahost-Politik" ein, sagt der Politikwissenschaftler Nick Heras vom New Lines-Institut für Strategie und Politik. "Trump holt al-Scharaa ins Weiße Haus, um zu zeigen, dass er kein Terrorist mehr ist, sondern ein pragmatischer und vor allem flexibler Staatschef, der Syrien unter US- und saudiarabischer Führung zu einem strategischen Stützpfeiler in der Region machen wird."

Al-Scharaa hofft laut Heras auf die Unterstützung des US-Präsidenten für die Freigabe "von Milliarden von Dollar, um Syrien wieder aufzubauen und seine Kontrolle über das Land zu festigen". Die Weltbank schätzt die Kosten für den Wiederaufbau nach 13 Jahren Bürgerkrieg auf rund 187 Milliarden Euro.

Rückzug israelischer Truppen aus dem Süden Syriens gefordert

Im Zuge der Annäherung zwischen Washington und Damaskus nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad hat Trump bereits im Juni die US-Sanktionen gegen Syrien aufgehoben. Assad wurde Anfang Dezember des Vorjahres von al-Scharaas HTS-Miliz und verbündeten Gruppen gestürzt.

Die HTS ist ein früherer Zweig von Al-Kaida, hat sich aber schon vor Jahren vom Terrornetzwerk losgesagt. Seit seinem Amtsantritt bemüht sich al-Scharaa um ein moderateres Image.

Beim Treffen im Weißen Haus soll es auch um die von Syrien aufgenommenen direkten Verhandlungen mit Israel gehen. Trump hat al-Scharaa im Mai aufgefordert, sich den Abraham-Abkommen anzuschließen, bei denen mehrere arabische Länder Israel diplomatisch anerkannt haben. Der syrische Übergangspräsident fordert aber zuerst den Rückzug israelischer Truppen aus dem Süden Syriens sowie ein Ende der Angriffe, die Israel seit Assads Sturz immer wieder gegen sein Land führt.

"Wie wir das gemeinsam lösen können"

In weniger als einem Jahr ist es al-Scharaa gelungen, Syrien aus der internationalen Isolation zu holen. In Deutschland wird seit Assads Sturz vor fast einem Jahr vor allem über die Rückkehr geflüchteter Syrer diskutiert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor wenigen Tagen erklärt, er habe al-Scharaa "nach Deutschland eingeladen, um mit ihm darüber zu sprechen, wie wir das gemeinsam lösen können".

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich zuvor bei einem Besuch in Syrien zurückhaltend über eine mögliche Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland geäußert. Diese sei angesichts der schweren Zerstörungen in Syrien "zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt möglich".

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.11.2025, 19:47
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