US-Präsident Donald Trump hat seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj mit etwa 30 Minuten Verspätung gegen 19.30 Uhr beim Weißen Haus in Empfang genommen. Anschließend soll es ein Mittagessen und dann Gespräche geben.
Laut Einschätzung des US-Senders CNN wird Trump zumindest noch beim Treffen keinen definitiven Entscheid zur möglichen Lieferung von Tomahawk-Langstreckenraketen an die Ukraine bekannt geben.
So habe der US-Präsident beim Telefonat mit Putin nicht ausgeschlossen, dass die ukrainische Armee mit den Raketen beliefert werden könnte. Voraussichtlich werde Trump aber auch keine Zusage an die Ukraine machen.
Eigentlich hätte Selenskyj bereits um 19 Uhr österreichischer Zeit vor dem Weißen Haus empfangen werden sollen, dies verzögerte sich aber um etwa 30 Minuten. Grund könnte sein, dass ein vorausgegangenes Treffen des US-Präsidenten länger dauerte als geplant.
Wie eine Pressesprecherin des Weißen Hauses auf Twitter schrieb, empfing Trump am Freitag den italienischen Sänger Andrea Bocelli und genoss dabei auch lautstark dessen Musik.
Zu Beginn des gemeinsamen Mittagessens im Weißen Haus hat Donald Trump den ukrainischen Präsidenten gelobt: "Es ist eine Ehre, mit einem starken Anführer hier zu sein, einem Mann, der viel durchgemacht hat. Und wir kommen sehr gut miteinander aus", so Trump.
Beim Mittagessen kündigte Trump an, dass man bei den anschließenden Gesprächen über neue Waffen diskutieren werde, mit denen die Ukraine Ziele weit hinter der russischen Grenze angreifen könnte, nannte die Tomahawk-Raketen aber nicht spezifisch.
Weiter sagte er, dass er glaube, der russische Präsident Wladimir Putin sei "nicht bereit" für Frieden, fügte jedoch hinzu: "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Ihrer Hilfe diesen Krieg beenden können."
Im Zuge seines USA-Besuchs hatte sich Selenskyj zuvor mit Vertretern von US-Rüstungsunternehmen, aber auch Repräsentanten großer amerikanischer Energiefirmen getroffen. "Sie sind bereit, uns zu helfen", sagte Selenskyj mit Blick auf die andauernden russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und die kommenden Wintermonate.
Auf die Frage, ob die Ukraine für ein Kriegsende gewisse Territorien an Russland abgeben müsse, sagt Trump: "Man weiß es nie. Krieg ist sehr interessant. Man weiß es einfach nie mit Krieg."
Nachdem Trump die Hoffnung geäußert hat, den Ukraine-Krieg auch ohne Tomahawk-Lieferung beenden zu können, hat Selenskyj einen Waffen-Tausch vorgeschlagen: So könnte die Ukraine tausende Drohnen an die USA liefern und im Gegenzug Tomahawks erhalten, schlägt der ukrainische Präsident vor.
Trump zeigte sich nicht sonderlich überzeugt von dieser Idee – die USA mache schließlich selbst "sehr gute Drohnen".
Während sich der US-Präsident im Weißen Haus damit brüstete, wie viele Kriege er seit Amtsantritt bereits beendet habe, nahm er auch Bezug auf den Friedensnobelpreis. Dass er diesen nicht bekommen hat, interessiere ihn nicht. Wichtig sei, dass er "Millionen von Leben gerettet" habe.
Zum von der US-Regierung angekündigten, vom Kreml bislang aber noch nicht offiziell bestätigten Treffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj in Budapest sagte der US-Präsident am Freitag, dass es nicht zu einem Dreiertreffen kommen werde. Stattdessen soll sich der US-Präsident separat mit Selenskyj und Putin treffen und als Mittelmann agieren.
Der ukrainische Präsident betonte beim Treffen in Washington, dass Sicherheitsgarantien für die Ukraine mit das wichtigste Element für einen Friedensplan seien. Eine Aufnahme in die Nato wäre demnach die beste Garantie, aber auch Waffenlieferungen seien wichtig. Auch Verbündete an der Seite zu haben, ist aus Sicht des ukrainischen Präsidenten essenziell. "Wir wollen Frieden. Putin will ihn nicht. Darum müssen wir Druck auf ihn ausüben", so Selenski.
Zum Abschluss der Medienrunde sorgte Trump mit einer Aussage zum Beginn der russischen Invasion für Aufsehen: "Russland hätte den Krieg gewinnen sollen, aber die russischen Panzer blieben im Schlamm stecken", so der US-Präsident. Die Ukraine habe damals Glück gehabt. Tatsächlich verlief der Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wohl gar nicht so, wie sich ihn die Kreml-Generäle vorgestellt hatten: So erlitt eine kilometerlange Schlange von Panzern und anderen Fahrzeugen auf ihrem Weg in die Hauptstadt Kiew massive Schäden, der Vorstoß musste abgebrochen werden.
Dies lag zu großen Teilen aber auch an der Wehrhaftigkeit der ukrainischen Armee und Bevölkerung, die zu Beginn des Krieges viele Experten überraschte. Während den Gesprächen hinter verschlossenen Türen aßen Selenkyj und Trump und die beiden Delegationen auch zu Mittag. BBC hat einen Blick auf die Speisekarte werfen können: Es gab einen Herbstsalat mit knusprigen Artischocken, gehobeltem Fenchel und einer Zitronenvinaigrette, danach in der Pfanne gebratenes Hähnchen serviert mit Süßkartoffel-Hash, Frikassee aus Zuckerschoten, Rucola und Rosmarin-Aioli, McIntosh-Äpfel und zum Dessert Karamell-Chiffon mit Clementinen-Eis und Brombeersauce.