Der Grazer Congress wurde am Samstag (21. Februar) wieder zum sichersten und zugleich schrillsten Ort des Landes. Mehr als 2.000 Gäste kamen zum 35. Tuntenball, um unter dem Motto "Grand Bordell" ein Zeichen für Selbstbestimmung und Akzeptanz zu setzen.
Viel nackte Haut, extravagante Kostüme und spektakuläre Auftritte gehören dazu. Doch hinter Glitzer, High Heels und Drag-Shows steckt weit mehr als Party. Der Tuntenball ist seit Jahrzehnten politisch - und heuer spürbar kämpferisch.
"Wir müssen sichtbar bleiben, um der Gesellschaft zu zeigen: Wir sind da, wir kämpfen, und es wird uns immer geben", betonte Moderatorin Grazia Patrizia am Abend. Die Botschaft ist klar: Queeres Leben darf nicht an den Rand gedrängt werden.
Organisator Joe Niedermayer fand noch deutlichere Worte. "Der Hass in unserer Gesellschaft wird nicht mehr - er wird salonfähiger." Gerade deshalb brauche es Räume ohne Angst und moralische Verurteilung. Das Motto "Grand Bordell" stand sinnbildlich für einen Ort frei von Scham und Stigmatisierung.
Der Ball ist zudem eine der wichtigsten Einnahmequellen für die RosaLila Pantherinnen. Mit dem Reinerlös werden ganzjährig Beratungen und psychosoziale Angebote für queere Menschen finanziert. Wie der ORF berichtet, gilt der Tuntenball als größtes Charity-Event Europas für die Community.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Verleihung des Courage Award. Heuer ging die Auszeichnung an die Initiative Heublumen. Sie organisiert seit 2023 regionale Prides wie die Unken Pride und schafft Stammtische und Vorträge im ländlichen Raum. Gerade dort ist Sichtbarkeit oft schwieriger - und umso wichtiger.
Auch das traditionelle Drag Race durfte nicht fehlen. "XTZ Lamborghini" holte sich den Titel und sorgte für Jubel im Saal. Um Mitternacht brachte Groove Coverage die Menge endgültig zum Tanzen. Der Tuntenball ist längst mehr als ein schriller Ballabend. Er ist Bühne, Schutzraum und Protest zugleich - und ein starkes Signal, dass queeres Leben in Österreich sichtbar bleibt.