Klimatologe teilt heftig aus

"Tut mir leid, ihr verlogenen Klimaleugner"

Der renommierte Klimaforscher Michael E. Mann geht auf X gegen die grassierende Desinformation in die Offensive – und legt sich mit Stefan Homburg an.
Newsdesk Heute
21.06.2026, 13:24
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Auslöser ist eine herumgeisternde Grafik, die beweisen soll, dass die globale Temperatur während der sogenannten Mittelalterliche Warmzeit höher war als heute. Das ist eine Falschdarstellung, die Manns berühmtes "Hockeyschläger"-Diagramm von 1998 diskreditieren soll.

"Tut mir leid, ihr verlogenen Klimaleugner. Der 'Hockeyschläger' ist inzwischen sogar länger und ausgeprägter", frontet er die selbst ernannten Aufdecker direkt. Er verweist auf die zahlreichen Studien anderer Wissenschaftler, die seine Ergebnisse wiederholt bestätigt haben.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Das prominenteste Projekt names PAGES2K vereinte unabhängige Paläoklimaforschern von zahlreichen unterschiedlichen Institutionen. Die rund 80 Wissenschaftler haben die weltweit vorherrschenden Temperaturen seit Beginn der Zeitrechnung rekonstruiert. Für ihre Analyse kombinieren sie Daten aus Baumringen, Pollen, Korallen, See- und Meeresablagerungen, Eisbohrkernen, Stalagmiten und historischen Dokumenten von 511 Standorten auf sieben Kontinenten.

Prof. Michael Mann von der Pennsylvania State University im Rahmen einer Anhörung zum Klimawandel vor dem Ausschuss für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie des Repräsentantenhauses in Washington, D.C., 2017.
imago/UPI Photo

"Hockeyschläger" eindeutig bestätigt

Ihre Ergebnisse wurden bereits im Jahr 2013 in "Nature" veröffentlicht und könnten klarer nicht sein: Sowohl die Mittelalterliche Warmzeit als auch die Kleine Eiszeit waren keine globalen Phänomene, sondern regional beschränkt.

Und: Die aktuellen globalen Oberflächentemperaturen sind höher als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten zwei Jahrtausenden – damit wurde Manns "Hockeyschläger" eindeutig bestätigt.

Zum selben Ergebnis kamen auch die Forscher, deren Arbeit in den letzten IPCC-Bericht einfloss. Das hindert jedoch Klimaleugner nicht, weiterhin Gegenteiliges zu behaupten. Dabei werden auch weiterhin munter irreleitende Grafiken erstellt.

Temperaturrekonstruktionen seit Beginn unserer Zeitrechnung, wie sie seit 2001 in den IPCC-Berichten enthalten sind.
Esper, J. et al (2024); https://doi.org/10.1038/s43247-024-01371-1

"Zu sehen ist nichts"

Ein Beispiel, das auch Mann offenlegt, kommt von Stefan Homburg, einem deutschen Ex-Professor für Finanzwissenschaft. Dieser erstellte sich für seine angebliche Widerlegung des "Hockeyschlägers" eine eigene Grafik der Durchschnittstemperatur Deutschlands ab 1880.

Sein Trick: Er bediente sich der Kelvinskala – und startete bei deren Nullpunkt, der bei −273,15 Grad Celsius liegt. "Ein Anstieg von 0,97 Prozent in 144 Jahren. Zu sehen ist nichts", schreibt er dazu. Seine Behauptung: "Für 'Hockeyschläger' zoomt man auf Zehntelgrade, die in der Toleranz durch Urbanisierung und Messverfahren liegen."

Stefan Homburgs Kelvin-Diagramm verschleiert durch eine völlig absurde Y-Skala den "Hockeyschläger" komplett
Screenshot X

"Skala könnte die Eiszeit ausblenden"

Dass auf seiner Grafik nichts zu sehen ist, ist klar. Homburg zoomte so weit in einen irrelevanten Temperaturbereich hinaus, dass keine Unterschiede mehr zu erkennen sind.

Die globale Durchschnittstemperatur vorindustrieller Zeit (1850-1900) wird in der Forschung als 13,7 Grad Celsius angegeben. Auf diese wird sich bezogen, wenn etwa vom Pariser Klimaziel (< +1,5°C) die Rede ist. Und: Die tiefste jemals auf dem Planeten Erde gemessene Temperatur war -93 Grad Celsius – oder eben 180 Grad Kelvin. Bei 0 Kelvin zu beginnen, ergibt also null Sinn.

Stefan Homburg bezeichnet den "Hockeyschläger" als Lüge und Michael E. Mann als "Klimaschwindler – nennt ihn dabei irrtümlich Manfred.
Screenshot X

Dazu schimpft der Deutsche los: "Klimaschwindler Manfred Mann [sic!] bügelte in den Daten die mittelalterliche Warmzeit und die Kleine Eiszeit weg, um seinen Hockeystick zu erzeugen. Weil er seine Daten nicht offenlegte, verlor er vor Gericht und darf als Lügner bezeichnet werden". Das ist falsch.

Diese Absurdität von Homburgs Kelvin-Grafik fällt jedenfalls auf: "Stefan Homburg könnte mit dieser Skala auf der Y-Achse die gesamte letzte Eiszeit ausblenden. Fallt nicht auf seine albernen Tricks herein", warnt ein User.

"Manipulation ist das halt – wenn man 0 Kelvin als Referenz nimmt und nicht einen Mittelwert. Ihrer Logik nach ist Fieber völlig unbedeutend. 41 Grad komplett bedeutungslos und keinerlei Behandlung wegen der popeligen 1,4 Prozent nötig", kommentiert ein weiterer.

Und der Österreicher "Georg Waldmensch" zieht einen plastischen Vergleich: "Die Saualpe ist 6.372.200 Meter hoch. Der Mount Everest ist 6.379.800 Meter hoch. Jeweils vom Erdmittelpunkt gemessen. Das ist ein Unterschied von nur 0,12 Prozent. Wenn ich also die Höhe der Saualpe ohne Probleme aushalte, sollte der Mount Everest auch kein Problem sein. Wenn ich dumm bin halt."

Auch Klimaforscher Mann urteilt hart: "Diese von ihm erstellte Grafik ist der beste Beweis für Stefan Homburgs grundsätzliche Unehrlichkeit".

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 21.06.2026, 14:12, 21.06.2026, 13:24
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen