Tierische Mühlen

U-Haft für Tierquäler: Justiz nimmt Tierleid ernster

Nach brutaler Tat an Katze in Rechnitz verhängt die Justiz erstmals U-Haft. Experten fordern strengere Strafen und mehr Sensibilität für Tierleid.
Heute Tierisch
16.09.2026, 09:41
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Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe zeigt sich positiv überrascht von der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, den mutmaßlichen Tierquäler aus Rechnitz in U-Haft zu nehmen. Der Mann soll eine Katze mit einer Rohrzange erschlagen, ihren Kopf abgetrennt und die Tat sogar gefilmt haben.

„Das hat es unseres Wissens noch nicht gegeben, obwohl es oft angebracht gewesen wäre, sowohl wegen Wiederholungs- als auch Verdunkelungsfahr. Ist das der Anfang einer neuen Ära?“
Jürgen StadlerPfotenhilfe-Sprecher

Der Tierschutzhof-Chef beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Gerichtsverfahren rund um Tierquälerei und fordert schon lange, dass diese von der Justiz endlich ernst genommen werden müssen. In der Vergangenheit gab es leider immer wieder abscheuliche und grausame Taten. Besonders der Fall des Katers Schmotzer, der mit einem Bolzenschussgerät und einer Schaufel zu Tode gequält wurde, sorgte zuletzt für Aufsehen.

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Stadler ist überzeugt: "Es handelt sich auch nach unserer Ansicht bei dem Freispruch um ein Fehlurteil, das alleine schon aufgrund der Signalwirkung so nicht stehenbleiben darf."

Auch der Zusammenhang zwischen Gewalt an Tieren und Gewalt an Menschen muss laut Pfotenhilfe endlich ernst genommen werden. Ein aktueller Anlass ist der Fall aus Marchtrenk, wo die Ex-Frau des Haupttäters berichtete, dass er den Familienhund "richtig gedroschen" und "extrem misshandelt" habe. Das Tier habe sich schon bei seinem Anblick vor Angst eingenässt.

"Wir fordern daher auch schon lange eine Erhöhung des Strafrahmens für Tierquälerei auf fünf Jahre, denn die derzeitige Rechtslage ist eine Verhöhnung der Opfer!", sagt Stadler.

Gesetzbuch noch von Kaiser Franz I.

"Sowie verpflichtende Schulungen für Justizbehörden, dass Tierquälerei kein Kavaliersdelikt ist und Tierquäler nur üben. Kriminalpsychologen warnen schon lange, dass die nächsten Opfer oft Menschen sind. Wären also viele Gewalttaten verhinderbar, wenn Tierquälerei endlich ernst genommen würde? Auf die meisten Betrugsfälle stehen drei bis zehn Jahre Freiheitsstrafe. Ist uns ein fühlendes, leidensfähiges Lebewesen wirklich so viel weniger Wert, Frau Justizministerin Sporrer? Tiere sind auch ganz sicher keine Sachen, wie sie im verstaubten Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) von Kaiser Franz I. aus 1812(!) immer noch bezeichnet werden, sondern fühlende Lebewesen wie wir. Auch hier muss dringendst ausgemistet und novelliert werden!"

Im Jahr 2023 hielt Univ.-Prof. Dr. Birgit U. Stetina von der Psychologischen Fakultät der Sigmund-Freud-Universität Wien einen Vortrag zu diesem Thema und erklärte: "Es werden signifikante Zusammenhänge zwischen Tierquälerei, Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung, häuslicher Gewalt, Misshandlung älterer Menschen und anderen Formen von Gewalt festgestellt. Forscher bestätigen, dass die Misshandlung von Tieren nicht mehr als isolierter Vorfall angesehen werden kann, der ignoriert werden darf: Gewalt gegen Tiere ist oft ein Indikator oder ein Prädiktor für Kriminalität und ein Warnzeichen dafür, dass andere Familienmitglieder im Haushalt möglicherweise nicht sicher sind."

red,Akt. 16.09.2026, 09:51, 16.09.2026, 09:41