Der Schock sitzt bei den Tierschützern tief: Nur wenige Tage nach dem Fund der blinden Babykatze "Kitty" ist unweit des Tierschutzhofs der Pfotenhilfe in Lochen (OÖ) erneut ein schwer krankes Katzenbaby entdeckt worden. Der kleine Kater, von seiner Finderin "Julius" getauft, irrte hilflos an fast derselben Stelle umher – und ist wie seine Leidensgenossin bereits vollständig erblindet.
Eine aufmerksame Autofahrerin entdeckte den kleinen Kater am Straßenrand und brachte ihn sofort zur Pfotenhilfe. Dort bestätigte sich der traurige Verdacht: Julius hat durch eine unbehandelte schwere Augeninfektion sein Augenlicht verloren.
„Auch dieser arme Bub ist nach nur wenigen Lebenswochen bereits völlig erblindet. Durch unbehandelte Infektionen wurden seine Augen so schwer geschädigt, dass sie sich vollständig zurückgebildet haben“Pfotenhilfe-ChefinJohanna Stadler
Besonders beunruhigend ist für die Tierschützer, dass innerhalb weniger Tage bereits das zweite blinde Katzenbaby nahezu am selben Ort gefunden wurde. Sie befürchten, dass noch weitere kranke Jungtiere oder ihre Mütter in der Umgebung um ihr Überleben kämpfen.
Als mögliche Ursache vermutet die Pfotenhilfe einen massiven Ausbruch des hoch ansteckenden Katzenschnupfens. Die Krankheit wird häufig von der Mutter auf ihre Jungtiere übertragen und kann – bleibt sie unbehandelt – schwere Entzündungen der Augen verursachen. Im schlimmsten Fall führt sie zu irreversiblen Schäden bis hin zur vollständigen Erblindung.
„Wenn die Babys so schwer krank sind, wie geht es dann erst ihren Müttern. Wir hoffen inständig, dass nicht noch weitere Katzen irgendwo hilflos leiden“
Die Pfotenhilfe hat den Fall inzwischen angezeigt. Der Verein geht davon aus, dass die Tiere über längere Zeit weder medizinisch versorgt noch ausreichend betreut wurden.
Nach Ansicht der Tierschützer könnte es sich um Tierquälerei durch Vernachlässigung handeln. Denn Tierleid entsteht nicht nur durch aktive Gewalt, sondern auch dann, wenn notwendige Pflege oder eine tierärztliche Behandlung bewusst unterlassen werden.
Nach dem österreichischen Tierschutzgesetz drohen bei solchen Verstößen Geldstrafen von bis zu 15.000 Euro. Je nach Schwere des Falls kann auch das Strafgesetzbuch zur Anwendung kommen – dort sind Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren vorgesehen.
Die Pfotenhilfe appelliert nun an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein. Wer im Raum Lochen am See kranke, verletzte oder herrenlose Katzen bemerkt oder Hinweise auf eine größere Katzenpopulation geben kann, sollte diese umgehend dem Tierschutzverein oder den zuständigen Behörden melden.
Für Julius beginnt jetzt ein neues Leben – ohne Augenlicht, aber mit der Chance auf Fürsorge und Sicherheit. Die große Hoffnung der Pfotenhilfe ist jedoch, dass er nicht noch weitere blinde Geschwister irgendwo auf sich allein gestellt zurücklassen musste.