Mit einem aufwendig inszenierten Experiment sorgt YouTuber Marvin Wildhage derzeit für Wirbel im Netz. Sein Ziel: herausfinden, wie sorgfältig Medizin-Influencer bezahlte Kooperationen prüfen. Dafür erfand er kurzerhand eine Krankheit, gründete ein fiktives Pharmaunternehmen und schickte Werbeanfragen an bekannte Medfluencer.
Eine sagte zu: Die Medizin-Influencerin veröffentlichte ein Werbevideo über die frei erfundene Erkrankung "Postvirale nasale Hypersensibilität". Darin erklärte sie sogar, die Diagnose bereits aus ihrem Medizinstudium zu kennen und sprach über Symptome – obwohl die Krankheit gar nicht existiert. Laut Wildhage erhielt sie für die Kampagne ein Angebot über 3.800 Euro.
Wildhage hatte die Aktion bis ins Detail vorbereitet. Die Fake-Pharmafirma verfügte über eine professionell gestaltete Website, auf der allerdings mehrere versteckte Hinweise auf den Schwindel eingebaut waren. So trug die angebliche Firmenchefin den Namen "Dr. Geppetto" – eine Anspielung auf Pinocchio und dessen wachsende Nase. Trotzdem wurde die Kooperation veröffentlicht.
Nach Veröffentlichung des Videos meldete sich die Betroffene selbst zu Wort. Sie gestand ein, den Krankheitsnamen nicht überprüft zu haben und sprach von einem schwerwiegenden Fehler. Sie übernehme die volle Verantwortung und kündigte an, das Honorar spenden zu wollen. Laut Berichten soll das Geld an "Ärzte ohne Grenzen" gehen, zusätzlich wolle sie denselben Betrag aus eigener Tasche drauflegen.
Für die Medizin-Influencerin blieb der Fall nicht ohne Folgen. Das LMU-Klinikum München erklärte öffentlich, dass diese dort nicht mehr tätig sei und distanzierte sich ausdrücklich von unwissenschaftlichen Aussagen, die nicht den Grundsätzen evidenzbasierter Medizin entsprechen.
Wildhage wollte mit seinem Experiment vor allem auf sogenannte Disease-Awareness-Kampagnen aufmerksam machen. Dabei werden Krankheiten oder Beschwerden öffentlich thematisiert, oft im Umfeld von Pharmaunternehmen. Kritiker warnen seit Jahren davor, dass dadurch Ängste geschürt und Produkte indirekt beworben werden könnten. Der aktuelle Fall entfacht nun erneut eine Diskussion darüber, welche Verantwortung Medizin-Influencer gegenüber ihren hunderttausenden Followern tragen.