Die Hitzewelle hat uns fest im Griff, heute sollen die Temperaturen auf über 40 Grad klettern. Wien ist damit heißer als Athen, Madrid oder Sizilien – doch anders als in Südeuropa fehlen in Wien in vielen Häusern und Wohnungen Klimaanlagen. Ältere Menschen leiden darunter besonders – vor allem dann, wenn sie in schlecht gedämmten Unterkünften leben und nur wenig Geld haben.
Laut Messungen heizen sich Wohnungen armutsbetroffener Senioren bereits nach wenigen Tagen extremer Hitze auf bis zu über 30 Grad auf. In allen untersuchten Wohnungen sei es über viele Stunden wärmer gewesen als draußen, oft fiel die Temperatur auch in der Nacht nicht unter 27 Grad.
Darauf verweist der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) nach neuen Temperaturmessungen von Greenpeace, der Volkshilfe und der Universität für Bodenkultur (BOKU) sowie aktuellen Berechnungen zu hitzebedingten Todesfällen.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Berechnungen auf Basis von Statistik-Austria-Daten laut PVÖ, dass allein während der Hitzewelle im Juni 2026 rund 300 Menschen an den Folgen der extremen Temperaturen gestorben seien.
"Die aktuellen Messungen machen deutlich, was viele ältere Menschen seit Jahren erleben: Das eigene Zuhause wird im Sommer zunehmend zur Hitzefalle. Wer wenig Einkommen hat, lebt häufiger in schlecht gedämmten Wohnungen und kann sich Kühlmaßnahmen oft nicht leisten. Hitze ist deshalb längst nicht mehr nur ein Klimathema, sondern eine soziale Frage und eine Frage des Gesundheitsschutzes", erklärt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer.
Der Pensionistenverband erneuert deshalb seine Forderung nach verpflichtenden Hitzeschutzplänen für alle Alten- und Pflegeheime. Diese sollen unter anderem ausreichend gekühlte Aufenthaltsräume, Trinkpläne, regelmäßige Gesundheitskontrollen, angepasstes Personalmanagement sowie Notfall- und Alarmpläne umfassen.
"Niemand darf im Alter Angst vor dem Sommer haben müssen, weil die eigene Wohnung zur Hitzefalle wird. Es kann nicht sein, dass der Schutz vor extremer Hitze vom Einkommen oder von der Wohnsituation abhängt", betont Gerstorfer.
Der Pensionistenverband fordert gezielte Förderungen für die thermische Sanierung von Wohnungen älterer Menschen mit geringem Einkommen, einen wirksamen Hitzeschutz im Mietrecht, mehr Begrünung und Beschattung im öffentlichen Raum sowie ausreichend klimatisierte öffentliche Aufenthaltsräume. "Klimaschutz und Sozialpolitik müssen endlich zusammen gedacht werden. Wer wenig Einkommen hat, lebt häufiger in schlecht sanierten Wohnungen und ist den Folgen extremer Hitze besonders ausgesetzt. Genau diese Menschen brauchen unsere Unterstützung", so die PVÖ-Präsidentin.
"Die Ergebnisse von Greenpeace und Volkshilfe sind ein Weckruf. Gemeinsam mit den jüngsten Zahlen zu den hitzebedingten Todesfällen zeigen sie deutlich, dass Österreich beim Hitzeschutz älterer Menschen rasch handeln muss. Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz - und Gesundheitsschutz ist eine Kernaufgabe des Sozialstaates. Jeder Hitzetote ist einer zu viel."