Eineinhalb Monate verpasst

"Überfordert": Schule schickt Mädchen mit ADHS heim

Eine neunjährige mit ADHS wird regelmäßig von den Lehrkräften heimgeschickt. Mittlerweile kämpft die ganze Familie mit der Belastung.
Justine Gull
19.06.2026, 05:32
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Familie unter enormen Belastungen: Leonie, die neunjährige Tochter (Name von der Redaktion geändert), besucht die zweite Klasse einer Volksschule in Floridsdorf. Bei ihr wurde bereits vor dem Schuleintritt ADHS diagnostiziert (sie hat ein Problem mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeit, siehe Infokasten unten).

Im Schulalltag führt die Krankheit immer wieder zu Problemen. "Sobald sie sich überfordert fühlt, bricht sie im Unterricht in Tränen aus", beschreibt der Vater, "doch die Lehrer nehmen sich keine Zeit, um sie kurz zu beruhigen." Im Gegenteil: Häufig werden die Eltern angerufen, sie sollen Leonie abholen – obwohl die Schule bereits im Vorfeld über den Umgang mit Leonies Diagnose informiert war.

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Es ist ein hartes Los: Für Leonie führen Veränderungen, Leistungsdruck oder Konflikte zu starker emotionaler Belastung. Aber auch die Lehrer sind überfordert: Anstatt auf Deeskalation soll auf Bestrafung gesetzt worden sein, so der Vater. "Insgesamt hat sie dadurch rund eineinhalb Monate Unterricht versäumt und drei Prüfungen verpasst."

„Sie muss sich tagelang davon erholen“
Leonies Vater

"Jedes Mal wenn sie heimgeschickt wird, trifft sie das seelisch hart. Sie muss sich oft tagelang davon erholen", so der Wiener. Leonie plagen Selbstzweifel und das Gefühl nicht gut genug zu sein.

"Mein Ehemann hat seinen Job verloren, weil er ständig von der Arbeit wegmusste, um unser Kind abzuholen. Ich musste meine Arbeitszeit drastisch reduzieren", beschreibt die Mutter die aktuelle Lage.

Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, also etwas, das mit der Entwicklung des Gehirns zusammenhängt – nicht mit Faulheit oder fehlendem Willen. Im Kern geht es um drei Symptom-Bereiche: 1) Unaufmerksamkeit, 2) Hyperaktivität, 3) Impulsivität.
Damit eine Diagnose gestellt werden kann, müssen die Symptome mindestens 6 Monate bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten (z. B. Schule/Job, Zuhause, soziale Situationen) und deutlich beeinträchtigen.

"Positive Entwicklung bemerkbar"

Mittlerweile haben die Eltern einer medikamentösen Behandlung zugestimmt. Zudem wurde eine zusätzliche Unterstützungskraft, eine sogenannte "Pop-up"-Lehrerin, bis zum Ende des Schuljahres eingesetzt. Diese berichtet von einer positiven Entwicklung: Leonie wirke emotional stabiler und finde auch leichter Anschluss zu ihren Mitschülern.

"Trotz dieser fachlichen Einschätzungen und der dokumentierten Fortschritte wird unser Kind im Schulalltag nicht ausreichend unterstützt", kritisieren die Eltern. Die Situation fordert die Familie zunehmend. Für die Eltern steht fest: Leonie wird die Schule wechseln. "Wir tun das nicht freiwillig, sondern wegen der anhaltenden Belastung", erklärt die Mutter.

"Arbeiten an einer Lösung"

"Heute" hat bei der Wiener Bildungsdirektion nachgefragt, hier ist der Fall seit Beginn des Schuljahres bekannt. Gemeinsam mit der Schulleitung werde an einer Lösung gearbeitet. Angeboten wurden unter anderem Beratungen für die Eltern sowie ein Schulplatz mit zusätzlichen Ressourcen. Doch genau dieser Vorschlag sorgt für Kritik: Laut den Eltern handelt es sich dabei um eine Sonderschule mit einer reinen Bubenklasse. Leonie finde jedoch vor allem zu Mädchen Anschluss, weshalb die Familie den Schulwechsel dorthin ablehnt.

Eine klinisch-psychologische Stellungnahme kommt zwar zu dem Schluss, dass ein inklusives Klassenkonzept für Leonie grundsätzlich am besten geeignet wäre. Aufgrund der konkreten Klassensituation könnten jedoch auch dabei Schwierigkeiten entstehen. Kritisch gesehen werden zudem die bisherigen Maßnahmen der Schule. Sowohl die Eltern als auch Fachleute hinterfragen insbesondere das wiederholte Heimschicken der Neunjährigen.

{title && {title} } Gul, {title && {title} } 19.06.2026, 05:32
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