Sport

Ultras und Rapid-Bosse – der Kuschelkurs bröckelt

Bei Rapid hängt der Haussegen schief. Neben Trainer und Leistungen kritisieren die Fans nun auch das Präsidium direkt.
Heute Redaktion
13.09.2021, 19:42

Fan-Kritik an Spielern, der sportlichen Leitung und dem Trainer ist Rapid nicht neu. Die Leistungen schwankten und entsprachen in den letzten Jahren selten den eigenen Erwartungen – auch jener der Klubführung.

Die Bosse blieben von Kritik aber weitestgehend verschont. Bis jetzt. Rapids Freude über den 3:1-Sieg im Play-off-Hinspiel der Europa League gegen Steaua Bukarest wurde am Donnerstag von Fan-Protesten getrübt. "GOGO RAUS", wurde skandiert und war groß auf einem Banner im Block West zu lesen. Damit ist Trainer Goran "Gogo" Djuricin gemeint.

In einem internen Brief in der Kurve bekam aber auch das Präsidium sein Fett weg:

"Da die große Euphorie zu Beginn dieser Saison durch teilweise fürchterliche Darbietungen unserer Mannschaft zunichte gemacht wurde, wird es jetzt allerhöchste Zeit, um Akzente zu setzen. Nachdem sich das Präsidium dezent zurück hält, werden nun die Stimmen des Block West lauter, um nötige Veränderungen zu fordern. Neben dem Trainerposten hinterfragen wir mittlerweile auch das Präsidium, vor allem in Bezug auf die sportliche Fachkompetenz."



Eine erste, säuerliche Reaktion aus dem Klub kam von Sportdirektor Fredy Bickel: "Die Fans sind ein Riesen-Plus, unterstützen und helfen meistens. Heute haben sie der Mannschaft nicht geholfen."

Präsident Michael Krammer und Geschäftsführer Christoph Peschek reagierten noch nicht öffentlich auf die Kritik. Dass sich diese so deutlich auch an sie richtig, ist neu. Auch, weil die Vereinsführung in der Vergangenheit eigentlich auf Kuschelkurs mit der aktiven Fan-Szene ist.

Das zeigte beispielsweise die emotionale Verabschiedung von Steffen Hofmann. Ultras-Granden waren zu Gast, wurden mit Bussi links, Bussi rechts begrüßt. Vor allem Peschek demonstriert seine Nähe zu den Ultras. Bei diversen Fan-Ausschreitungen der letzten Jahre hielt sich die Klubführung mit überbordender Kritik zurück, trotz großen Drucks der Öffentlichkeit.

Die Fans dankten es ihrerseits zumeist mit Zurückhaltung der Klubführung gegenüber. Die direkten Worte an das Präsidium machen erste Risse in der scheinbar guten Beziehung der beiden Parteien sichtbar.

(Heute Sport)

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