Eine unbekannte Krankheit im Südwesten der Demokratischen Republik Kongo gibt Rätsel auf. Die Symptome sind grippeähnlich, betroffen sind vor allem Kinder. Bislang gibt es mehr als 130 Tote. Welcher Erreger dafür verantwortlich ist, ist unklar. "Wir sind in höchster Alarmbereitschaft", sagte Gesundheitsminister Samuel-Roger Kamba am Donnerstag in der Hauptstadt Kinshasa.
"Die Teams arbeiten auf Hochtouren", sagte Dieudonné Mwamba, Generaldirektor des Instituts für öffentliche Gesundheit des zentralafrikanischen Landes, auf einer Pressekonferenz der afrikanischen Gesundheitsbehörde CDC Africa. "Wir warten auf die Labor-Ergebnisse in den nächsten 24 bis 48 Stunden, damit wir genau wissen, worum es sich handelt."
Betroffen ist die abgelegene Region Panzi rund 700 Kilometer südöstlich von Kinshasa, die nur über eine rudimentäre Gesundheitsversorgung verfügt. Laut Mwamba sind ersten Krankheitsfälle am 24. Oktober aufgetreten. Am 1. Dezember habe es auf nationaler Ebene eine Alarmmeldung bei den Gesundheitsbehörden gegeben. Daraufhin sei sofort ein Team von Epidemiologen in der zu Kwango gehörenden Region Panzi gereist, um die Ärzte vor Ort bei der Behandlung der Patienten zu unterstützen und zu ermitteln, um was für eine Art von Krankheit es sich handelt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist bereits mit einem Team vor Ort.
Laut dem Gesundheitsminister der Provinz Kwango, Apollinaire Yumba, wurden bislang 382 Menschen mit Symptomen der Krankheit registriert. 131 Personen seien bisher daran verstorben. Am Mittwoch waren erst 67 Todesfälle bekannt. Doch Teams medizinischer Fachleute, die seit Dienstag die betroffenen Ortschaften im Südwesten des Landes aufsuchten, hatten zwei weitere Dörfer gefunden, in denen mindestens 60 Todesfälle registriert wurden, so Yumba.
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sind insbesondere Kinder bis 15 Jahre betroffen. 40 Prozent der Erkrankten sollen Kinder unter fünf Jahren sein. Besonders hoch sei der Anteil von Säuglingen und Kleinkindern, teilte Mwamba mit. In dieser Altersgruppe gab es bisher 198 Krankheits- und 17 Todesfälle.
Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Atemprobleme. Das deutet auf eine Atemwegserkrankung hin. Um Corona-Infektionen handelt es sich nicht, so die Einschätzung der Behörden. Die Epidemiologen sollen nun klären, ob es sich um eine schwere Form der Grippe oder einen neuen Erreger handelt. Als weiteres Symptom nannte Yumba noch Blutarmut (Anämie). Er riet der Bevölkerung, Vorsicht walten zu lassen und den Kontakt mit Leichen zu vermeiden, um eine Ansteckung zu verhindern.
Bis die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ergebnisse vorweisen können, sollten die Menschen in der betroffenen Region strenge Hygieneregeln mit häufigem Händewaschen, Vermeidung größerer Versammlungen und Abstand einhalten, hieß es. Ein Arzt in Panzi sagte der Deutschen Presse-Agentur, bei vielen Einwohnern herrsche große Angst. Viele wagten aus Angst vor Ansteckung nicht mehr, ihre Häuser zu verlassen. Ob die Krankheit nur durch körperlichen Kontakt oder auch über andere Wege übertragen werden kann, ist bisher nicht bekannt.
Auch das lässt sich noch nicht sagen. Bislang scheint nur der Südwesten des Kongos betroffen. Die Gesundheitsversorgung in dem Land ist schlecht. Zudem sind in der Region Panzi nach Angaben von Gesundheitsminister Kamba mehr als 60 Prozent der Kinder unterernährt. Hinzu kommt, dass der Kongo seit Monaten auch viele Mpox-Fälle verzeichnet. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 47.000 Fälle in dem Land registriert, die jedoch aufgrund mangelnder Testkapazitäten nur zu einem relativ geringen Teil offiziell bestätigt werden konnten. Außerdem gibt es eine Masernepidemie.