Seit mittlerweile 25 Jahren hält ein besonders ungewöhnlicher Kriminalfall Kärnten in Atem. Vor allem Frauen, aber auch einige Männer, bekommen immer wieder Postkarten und Briefe mit sexistischen und beleidigenden Beschimpfungen. Der Absender ist laut Schriftvergleich immer derselbe. Wie kleinezeitung.at berichtet, haben sich Betroffene bei der Zeitung gemeldet und von mindestens 30 Frauen und etwa fünf Männern erzählt, die solche Post erhalten haben. "Das sind nur diejenigen, von denen wir es wissen", sagt Simone D., die eigentlich anders heißt und selbst betroffen ist. "Wir sind überzeugt, dass es viel mehr sind."
Tatsächlich sollte Simone D. recht behalten. Nach dem Bericht der "Kleinen Zeitung" vom 1. Februar haben sich bei ihr und anderen Betroffenen noch weitere Opfer gemeldet. Insgesamt sieben neue Personen – sechs Frauen und ein Mann – haben ebenfalls solche Post bekommen. "Die Schrift und auch die Art der Beschimpfungen ist gleich wie bei den uns bisher bekannten Schreiben", sagt Simone D. "Das hat ein- und dieselbe Person geschrieben."
Verschickt werden hauptsächlich Postkarten, manchmal auch kurze Briefe. Das letzte bekannte Schreiben dürfte vor etwa einem halben Jahr angekommen sein. "Ein Mann hat uns erzählt, dass er in den Jahren zuvor schon mehrere Schreiben erhalten hat", berichtet Simone D.
Auffällig ist die extrem ordinäre und teils sehr persönliche Wortwahl in den aktuellen Schreiben. Das gehe schon in Richtung Hass, schildert eine Betroffene. Außerdem scheint sich das Gebiet, in dem der oder die Unbekannte aktiv ist, ausgeweitet zu haben. Es gibt nun auch neue Opfer in der Gemeinde Deutsch-Griffen und in der Stadt Feldkirchen.
Die meisten Empfänger wohnen im Gurktal, vor allem am Zammelsberg in der Gemeinde Weitensfeld, einige auch in Steuerberg und St. Urban. "Mittlerweile sind uns schon knapp 40 Opfer bekannt", sagt Gabriele M., ebenfalls betroffen. "Und wir sind überzeugt, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Aber die meisten werden sich wohl schämen, nicht darüber reden und die Schreiben einfach wegwerfen."
Die ersten Postkarten wurden laut aktuellem Wissensstand in den Jahren 2000 oder 2001 verschickt. Seither tauchen in unregelmäßigen Abständen immer wieder neue Karten und kurze Briefe auf. Manche bekommen nur ein Schreiben, andere bis zu sieben. Zwischen den Empfängern gibt es keine auffälligen Gemeinsamkeiten, außer, dass sich viele kennen – was in dieser Gegend nichts Ungewöhnliches ist.
Die Formulierungen in den Schreiben sind beleidigend, verletzend und sexistisch. Frauen werden etwa als "Schlampen" – das ist noch die höflichste Variante – als "Fokkn" oder "männertamische Olte" bezeichnet. Rund 90 Prozent der Postsendungen landen in Feldkirchen in den Briefkästen, die restlichen in Treibach und Villach.
Vor einigen Jahren haben einige Frauen Anzeige erstattet. Das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der beharrlichen Verfolgung (Paragraf 107a Strafgesetzbuch) wurde aber im Vorjahr eingestellt. Für "Stalking" fehlt laut Behörden die nötige Intensität der Schreiben und das dadurch ausgelöste Gefühl von Bedrohung oder Verängstigung.