Schl**pe, Weib, Teifl – seit 25 Jahren werden Frauen im Gurktal (Kärnten) mit Briefen terrorisiert, die sie aufs Tiefste beleidigen. Wer die Post verfasst und warum weiß bis jetzt niemand. Eine Betroffene befürchtet: "Es macht ihm Spaß".
Die erste Karte kam für Simone D. (Name geändert, Anm.) im Jahr 2001. Ohne Absender, dafür mit üblen Beschimpfungen und sexuellen Anspielungen. "Ich war geschockt und habe Rotz und Wasser geplärrt", sagt sie in der "Kleinen Zeitung".
"Ich habe mir gedacht, warum schreibt jemand solche Lügen. Ich habe mich so geschämt." Mittlerweile hat sie drei Karten und einen Brief erhalten und fürchtet, was noch kommen mag.
Der anonyme Schreiber machte auch vor Jugendlichen nicht halt. "Ich war 14, als ich eine solche Postkarte bekommen habe", sagt Gabriele M (Name geändert, Anm.). "Ich hatte keine Ahnung, warum mir einer so etwas Schlimmes schreibt." Bis heute kennt sie weder Grund noch Absender.
Was die Frauen wissen: Sie sind nicht allein. Rund 30 Betroffene sind bekannt. "Das sind nur diejenigen, von denen wir es wissen", sagt Simone D. "Wir sind überzeugt, dass es viel mehr sind. Aber die meisten werden sich wohl schämen, nicht darüber reden und die Schreiben einfach wegwerfen."
Cornelia L. tat genau das, als sie vor 15 Jahren ihre erste Karte bekam. "Ich war völlig überrascht und habe geweint. Das kam aus heiterem Himmel." Im Vorjahr erhielt sie bereits die vierte Postkarte.
Die meisten Opfer leben in Zammelsberg, einem Ort mit knapp 80 Einwohnern in der Gemeinde Weitensfeld. Vereinzelt gingen auch Schreiben an Männer. Die Karten zeigen oft alte Motive, seit drei bis vier Jahren kommen auch Briefe. "Immer auf liniertem Papier, mit kurzen und knappen Sätzen, mit Mundartwörtern oder umgangssprachlichen Redewendungen", sagt Simone D.
Der Inhalt ist durchgehend beleidigend, sexistisch und verletzend. Die Schreiben wurden großteils in Feldkirchen aufgegeben, einige auch in Treibach und Villach. Zwischen einzelnen Zusendungen lagen teils Jahre. "Ich habe elf Jahre nichts bekommen, plötzlich war im Vorjahr eine Karte im Briefkasten", sagt Cornelia L.
Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern gibt es kaum. Unterschiedliche Altersgruppen, Berufe, Lebenswege. "Es gibt welche, die sind 75, 80 Jahre alt und solche, die sind 30, 35 Jahre", sagt Bettina N. "Es gibt keine Systematik."
Auffällig sind jedoch Ähnlichkeiten im Schriftbild und Details aus dem Privatleben einzelner Frauen, die in den Schreiben auftauchen. Einige Betroffene vermuten daher, dass der Täter eine Frau aus der Region ist. Namen nennen will niemand. "Wir wollen niemanden falsch beschuldigen", sagen sie. "Im Unterschied zur Verfasserin haben wir ja Anstand."
Eine Anzeige wurde erstattet, das Ermittlungsverfahren aber eingestellt. Der Verdacht der beharrlichen Verfolgung habe nicht ausgereicht, erklärt die Staatsanwaltschaft. Üble Nachrede und Beleidigung seien Privatanklagedelikte – ohne bekannten Täter kaum verfolgbar.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es aufhört. "Wir wünschen uns vor allem, dass das aufhört", sagt Bettina N. Simone D. ist pessimistischer: "Ich befürchte, dass er nicht aufhören wird. Das macht ihm offenbar viel Spaß."