An der Kreuzung Hütteldorfer Straße Ecke Flachgasse und Matthias-Schönerer-Gasse kracht es in letzter Zeit des Öfteren, wie der "ORF" berichtet. Der Grund: Seit zwei Wochen gibt es eine neue Vorrangregelung. Wegen Sanierungsarbeiten auf der nahen Johnstraße – ab der Hütteldorfer Straße Richtung Schönbrunn – müssen die Autofahrer auf der Hütteldorfer Straße jetzt plötzlich den Vorrang abgeben. Der Vorrang gehört nun jenen, die über die Matthias-Schönerer-Gasse ausweichen und dann die Kreuzung queren wollen.
Viele haben damit anscheinend nicht gerechnet. Wie der "ORF" berichtet, kam es vor allem in der ersten Woche mehrmals zu teils schweren Unfällen – mindestens ein Mensch wurde schwer verletzt. Auch Straßenbahnen und Busse betrifft die neue Verkehrssituation. Direkt an der Ecke in der Matthias-Schönerer-Gasse wurde eine Haltestelle für die Buslinie 10A eingerichtet, die dann ebenfalls die Kreuzung überqueren muss.
Für alle, die hier aussteigen oder zu Fuß unterwegs sind, dürfte die Kreuzung eine echte Herausforderung sein. Es gibt weder einen Zebrastreifen noch eine Ampel. "Alle gehen kreuz und quer. Keiner kennt sich aus. Und wenn man Pech hat, werden die Nachrangschilder eben noch übersehen", schildert Anrainerin Sandra Bechtold die Lage.
Die Unfälle und das ständige Hupen haben zu vielen Beschwerden geführt. Bechtold und andere Nachbarn haben sich an die MA 46, die Polizei, den Bezirk und an die Medien gewandt, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Zusätzlich zur Unfallgefahr gibt es laut der Anrainerin auch ein "dauerndes Hupkonzert". Dieses beginne um 5 Uhr morgens mit dem ersten Stoßverkehr und ende gegen 1 Uhr nachts. "An Schlaf ist in dieser Zeit kaum zu denken."
Auch andere Nachbarn bestätigen beim Lokalaugenschein von ORF Wien die Situation. Beim Bezirk hat Bechtold Gehör gefunden. "Wir haben vom Bezirk her Beschwerden bekommen, dass die Situation hier ungeregelt ist", bestätigt Dietmar Baurecht, Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus (SPÖ).
Man habe nicht gedacht, dass die aufgestellten Nachrangtafeln so oft ignoriert werden, so ein Sprecher der MA 46. Daraus habe man aber gelernt und vor allem in der zweiten Woche "zusätzliche Visualisierungen angebracht". Weil das Halte- und Parkverbot regelmäßig missachtet wurde und die provisorisch aufgestellten "Vorrang geben"-Schilder dadurch verdeckt waren, wurde die Halteverbotszone jetzt eingezäunt.
Der Betonsteher mit den Verkehrszeichen wurde versetzt, damit die Schilder besser sichtbar sind. "Auf der anderen Seite wurde eine 30 km/h-Zone in diesem Abschnitt eingerichtet. Es wurden Piktogramme auf den Gleisanlagen angebracht, um den Autofahrern anzuzeigen, dass es hier eine Änderung der Vorrangregeln gibt", schildert Baurecht die weiteren Maßnahmen. Auch Hinweistafeln auf die geänderte Vorrangregelung wurden 20 bis 30 Meter vor der Kreuzung nachträglich aufgestellt.
Die Anrainerin Bechtold findet die Verbesserungen zwar gut, aber "immer noch nicht ausreichend": "Es bleibt dabei, dass die Gefahrenstelle nicht immer wahrgenommen wird, insbesondere in der Dämmerung. Es sind zum Beispiel zu wenige Blinklichter." Ihrer Meinung nach hätte es entweder eine Stopptafel oder eine Ampel gebraucht. Die MA 46 hält das aber nicht für nötig – vor allem weil die Umleitung nur vorübergehend ist.
Die Baustelle auf der Johnstraße ist zwar bis Ende August geplant, "aber die Straße ist natürlich eine wichtige Achse. Dementsprechend werden wahrscheinlich die Baufirmen schneller zurande kommen mit den Bauarbeiten, damit das auch wieder schnell freigegeben ist", so der Bezirksvorsteher. Spätestens Ende August soll an der Kreuzung Hütteldorfer Straße – Flachgasse und Matthias-Schönerer-Gasse wieder alles seinen gewohnten Lauf nehmen.