Die Schicksale der kranken Kinder machen sprachlos. Der neunjährige Bruno aus Wiener Neustadt etwa leidet an Duchenne-Muskeldystrophie, einer seltenen und unheilbaren Erkrankung. Der aufgeweckte Bub wird immer schwächer, seine Muskeln geben nach.
Brunos Familie sammelt Geld, um ihm eine teure Gentherapie zu ermöglichen. Das Ziel wirkt unerreichbar: vier Millionen Euro wären für eine Therapie in den USA nötig. Rund 87.000 Euro wurden laut den nun vorliegenden Unterlagen vom Verein "Cosplay Entertainment Austria" gesammelt – angeblich mit dem Ziel dem Buben zu helfen.
Aber: Auf dem Konto befinden sich nach Angaben der Eltern derzeit nur noch 1,47 Euro. Gleichzeitig sollen Verbindlichkeiten von rund 70.000 Euro bestehen.
Ab Montag beschäftigt der Fall das Landesgericht Wiener Neustadt. Der frühere Obmann des Vereins muss sich wegen schweren Betrugs verantworten.
Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Brunos Vater vorgespiegelt zu haben, vier Millionen Euro für die Behandlung des schwer kranken Buben sammeln zu können und die Spenden dafür zu verwenden. Genau dafür soll der Vater 10.000 Euro für Werbung und Marketing überwiesen haben.
Im Sommer soll der Ex-Obmann zudem versucht haben, weitere 35.000 Euro von Brunos Vater zu bekommen. Mit dem Geld sollte die Spendenaktion auch in anderen Ländern vorangetrieben werden. Zu dieser Zahlung kam es jedoch nicht.
Eine Auszahlung der für Bruno gesammelten Gelder an die Familie erfolgte nach deren Angaben jedoch nicht. Schließlich wandten sich die Eltern an die Behörden und erstatteten Anzeige.
Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
„Verein hat zu keinem Zeitpunkt die Absicht verfolgt, Spender oder die betroffene Familie zu täuschen“
Die Familie studierte den Aktenberg von 503 Seiten: "Was ich darin gelesen habe, hat mich zutiefst erschüttert und sehr traurig gemacht", so Brunos Vater zu "Heute".
Der Verein "Cosplay Entertainment Austria" wurde 2019 gegründet. Sein Zweck war die Unterstützung hilfsbedürftiger und schwer kranker Kinder und ihrer Familien. Dazu wurden unter anderem Veranstaltungen und Besuche in Krankenhäusern mit verkleideten Figuren organisiert. Der nun Angeklagte war selbst einer der Gründer und später Obmann.
Der Verein hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. In einer öffentlichen Stellungnahme hieß es: "Der Verein hat zu keinem Zeitpunkt die Absicht verfolgt, Spender oder die betroffene Familie zu täuschen." Es gilt die Unschuldsvermutung.
Auch der nun Angeklagte hatte gegenüber der "NÖN" betont, dass Spendengelder für andere Projekte des Vereins zweckgemäß verwendet worden seien. Im Fall Bruno argumentierte er, dass Gelder erst in die Therapie fließen könnten, wenn es eine gesicherte, medizinisch anerkannte Therapie gebe.
"Das Geld geht ja nicht an die Familie, sondern direkt zur Therapie", sagte er zur "NÖN".
Für Brunos Eltern bleibt die finanzielle Situation dennoch dramatisch: "Für uns ist die derzeitige Situation besonders bitter, da es momentan praktisch keine Aussicht darauf gibt, dass wir irgendeinen Teil der gesammelten Gelder zurückerhalten werden."
Aufgeben kommt für sie trotzdem nicht infrage: "Trotz all dieser Ereignisse ist für uns das Wichtigste, dass Bruno glücklich ist. Und genau das dürfen wir trotz seiner schweren und unheilbaren Erkrankung erleben. Ihn glücklich zu sehen, gibt uns die Kraft, weiter für ihn einzustehen und dafür zu kämpfen, dass die Wahrheit ans Licht kommt."