Auch zehn Jahre nach seinem Tod bleibt Prince musikalisch präsent. Immer wieder tauchen bislang unbekannte Aufnahmen aus seinem umfangreichen Archiv auf – ein Hinweis darauf, dass sein künstlerisches Vermächtnis noch lange nicht vollständig erschlossen ist.
Nun ist mit "With This Tear" erstmals eine unveröffentlichte Originalaufnahme eines Songs erschienen, den er Anfang der 1990er-Jahre schrieb und später an Céline Dion weitergab.
Die nun veröffentlichte Version stammt aus den Sessions im November 1991 in den Paisley Park Studios und zeigt den Künstler in einer reduzierten Form: nur Stimme und Klavier. Wie so oft schrieb, produzierte und spielte er den Track selbst ein. Für die aktuelle Veröffentlichung wurde die Aufnahme vom Grammy-nominierten Produzenten Chris James neu gemischt und gemastert.
Ursprünglich war der Song für Jevetta Steele vorgesehen, wurde dann aber an Céline Dion weitergereicht. Prince schlug dabei sogar vor, Walter Afanasieff als Produzenten zu wählen – mit dem Dion zu diesem Zeitpunkt bereits arbeitete. Sie nahm ihre Version am 16. Januar 1992 auf. "With This Tear" erschien noch im selben Jahr auf ihrem Album "Celine Dion".
Prince selbst griff den Song später erneut auf: Im Sommer 2001 nahm er ihn mit der Gruppe Milenia in Paisley Park neu auf. Diese Version war für deren Debütalbum vorgesehen, wurde aber letztlich nicht veröffentlicht.
Seine ursprüngliche Guide-Vocal-Version gehörte zu den sogenannten Vault-Aufnahmen aus den Jahren 1990 bis 1992 und war zeitweise für ein geplantes Projekt vorgesehen, wurde dort jedoch nicht berücksichtigt.
Die Veröffentlichung – einen Tag vor dem zehnten Jahrestag seines Todes – reiht sich in eine Serie von Archivprojekten ein, mit denen der Nachlass von Prince systematisch nach und nach erschlossen wird.
"With This Tear" verdeutlicht zudem Princes Rolle als Songwriter für andere Künstler: Viele seiner Kompositionen wurden zunächst von anderen interpretiert, während seine eigenen Versionen im Archiv verblieben (Sinéad O'Connor "Nothing Compares 2 U", Bangles "Manic Monday, etc.). Seine nun veröffentlichte Aufnahme wirkt im Vergleich deutlich intimer als Dions Version – zurückhaltend, reduziert und getragen von einer fragilen Stimmung.