50.000 Menschen betroffen

"Unverschämt", "Frotzelei": Wilder Lohnstreit entbrannt

Die bereits siebte Verhandlungsrunde für den KV in der chemischen Industrie wurde am Dienstag abgebrochen. Es hagelt gegenseitige Vorwürfe.
Michael Rauhofer-Redl
03.06.2026, 11:17
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Auch die siebente Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten der chemischen Industrie wurde am Dienstag nach 14 Stunden ohne Ergebnis unterbrochen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) kündigt nun via Aussendung "befristete Streiks im Ausmaß von bis zu acht Stunden in den Betrieben" an.

"Das neue Angebot der Arbeitgeber liegt bei lediglich 0,5 Prozent plus 300 Euro Einmalzahlung oder 2 Prozent, aber erst ab Oktober 2026 bis April 2028. Das würde einer jährlichen Erhöhung von nur 0,79 Prozent entsprechen", heißt es seitens der Gewerkschaft.

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Nach sieben Runden sei das "mehr als unverschämt" und zeige die Geringschätzung, die den Beschäftigten entgegengebracht wird. "Wie angekündigt, werden daher die Streiks ausgeweitet", sagen die Verhandlungsleiter der Arbeitnehmer:innenseite, Hubert Bunderla (PRO-GE) und Mario Mayrwöger (GPA).

Gewerkschaft ortet "Frotzelei"

"Die Beschäftigten der chemischen Industrie haben bereits mit Warnstreiks ihrer Forderung nach fairen Erhöhungen der Löhne und Gehälter Nachdruck verliehen. Jetzt kommt es zu einer weiteren Eskalation des Konfliktes, denn diese Frotzelei der Arbeitgeberseite werden wir nicht unwidersprochen hinnehmen", unterstreichen Bunderla und Mayrwöger.

Die beiden Gewerkschafter betonen, dass die Arbeitnehmerseite durchaus Entgegenkommen gezeigt habe, um zu einem für beide Seiten vertretbaren Verhandlungsergebnis zu kommen. Um Bewegung in die Verhandlung zu bringen, ist man von der offiziellen Forderung nach einem Lohn- und Gehaltsplus von 3,5 Prozent abgerückt und hat die Forderung auf 3 Prozent reduziert.

Arbeitgeberseite zeigt sich unbeeindruckt

Seitens des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) zeigt man sich verärgert – und unbeeindruckt. Verärgert, weil die Verhandlungen "aus nicht nachvollziehbaren Gründen beendet" worden seien. Unbeeindruckt, da man die Streiks gelassen zur Kenntnis nimmt. Diese würden weniger Schaden anrichten als dies ein "zu hoher Abschluss" tun würde.

"Streiks schaden dem Standort, aber zu hohe Abschlüsse noch viel mehr", betont Arbeitgeber-Verhandlungsführer Ernst Gruber. Er verweist auf Deutschland. Dort sei für 2026 eine Nulllohnrunde vereinbart worden. Außerdem würden die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen: "Seit 2020 haben wir kumuliert zwölf Prozent höher abgeschlossen als Deutschland – unser wichtigster Absatzmarkt und direkter Mitbewerber. Diesen 500-Millionen-Euro-Kostenrucksack schleppen unsere Unternehmen jährlich", erklärt er.

"Auftragsbücher füllen sich"

Die Gewerkschaft wiederum pocht auf einen höheren Abschluss: "Die Beschäftigten spüren in den Betrieben, dass sich die Auftragsbücher wieder füllen und damit der Arbeitsdruck steigt. Trotz allem sollen sie auf ordentliche Erhöhungen der Löhne und Gehälter verzichten, während die Manager in den letzten Jahren kräftig zugelangt haben. Der Zorn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist daher mehr als berechtigt", so die Gewerkschafter.

{title && {title} } mrr, {title && {title} } Akt. 03.06.2026, 11:22, 03.06.2026, 11:17
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