Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) steht vor einem der größten Sparprogramme ihrer jüngeren Geschichte. Bis Ende 2027 sollen in der Kammerzentrale in Wien 200 der rund 800 Vollzeitstellen wegfallen. Damit wird jede vierte Stelle abgebaut. Insgesamt will die WKO in den kommenden vier Jahren 100 Millionen Euro einsparen – "Heute" berichtete.
Am Mittwochvormittag werden die Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung über die konkreten Sparpläne der Kammer informiert. Für viele Mitarbeiter kam die Ankündigung überraschend. Betriebsratschef Reinhard Kopf erklärte gegenüber Ö1, dass er selbst bislang nur die Eckpunkte kenne. In Gespräche über den Personalabbau sei er nicht eingebunden gewesen. Von den Plänen habe er erst am Montag erfahren – einen Tag bevor die Öffentlichkeit informiert wurde.
WKO-Präsidentin Martha Schultz verteidigt die drastischen Maßnahmen. Laut einer Aussendung soll die Organisation bis 2030 insgesamt 100 Millionen Euro einsparen. Ziel sei es, die Wirtschaftskammer schlanker und effizienter aufzustellen. "Ziel ist es, Ressorts konsequent auf jene Aufgaben zu konzentrieren, die unmittelbar zum Nutzen der Mitgliedsbetriebe beitragen und die Schlagkraft der Organisation stärken", heißt es von der Kammerführung.
Neben dem Personalabbau wird auch die Führungsebene verkleinert. Das Generalsekretariat wird halbiert, Doppelgleisigkeiten sollen beseitigt und Strukturen gestrafft werden. Die WKO betont, dass der Stellenabbau sozial verträglich erfolgen soll – etwa durch Pensionierungen und natürliche Abgänge.
Unterstützung erhält Schultz auch aus den eigenen Reihen. Matthias Krenn, Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft, bezeichnete den Personalabbau gegenüber Ö1 als "in jedem Fall angemessen". Die Einschnitte seien zwar hart, aber notwendig. "Ohne dem geht es nicht, weil wir Mitglieder entlasten wollen und uns als Wirtschaftskammer in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen", so Krenn.
Auch Sabine Jungwirth von der Grünen Wirtschaft hält die Einsparungen grundsätzlich für unumgänglich. Wenn man den Ankündigungen von Martha Schultz folge, sei das Streichen von Stellen eine Notwendigkeit. Allerdings sieht sie noch deutlich größeres Sparpotenzial. Durch eine stärkere Zusammenlegung von Strukturen der Bundes- und Landeskammern könnten ihrer Ansicht nach sogar bis zu 175 Millionen Euro eingespart werden.