Frauen verdienen in Österreich nach wie vor für die gleiche Arbeit oft deutlich weniger als männliche Kollegen. Die Verhandlungen über ein neues Gesetz, das in Umsetzung einer EU-Richtlinie den Unternehmen volle Transparenz bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter vorschreibt, sind im Endspurt – bis 7. Juni müssten die EU-Lohnregeln in nationales Recht gegossen sein. Sonst droht uns ein Vertragsverletzungsverfahren aus Brüssel.
Aber die Wirtschaft sperrt sich, warnt vor überbordender Bürokratie und hohen Kosten. "Die Zielsetzung, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu reduzieren, ist selbstverständlich richtig. Die Umsetzung darf aber nicht zur Bürokratiefalle für unsere Betriebe werden", so Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf. „Was unter dem Schlagwort der Transparenz verkauft wird, bedeutet in Wahrheit neue Belastungen für unsere Betriebe statt Chancengleichheit", ärgert sich Graf.
Argumente, die Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl nicht gelten lässt, vielmehr als "Affront" bezeichnet. Mit ihrer "Blockadehaltung" würden die Unternehmensvertreter "vielen Frauen gerechte Einkommen verwehren“, so Anderl.
„Es muss Schluss sein mit der Heimlichtuerei beim Geld.“Renate AnderlArbeiterkammer-Präsidentin
Die AK-Präsidentin schildert einen Fall aus der Praxis: Eine Frau aus Wien arbeitete als Buchhalterin, hatte die gleiche Ausbildung und machte die gleichen Aufgaben wie ein später eingestellter Kollege. Er bekam aber 400 Euro mehr im Monat.
Der Arbeitgeber versuchte, die Gehaltsdifferenz zu erklären. Der Mann habe eben besser verhandelt, hieß es. Außerdem sei er für eine Führungsposition vorgesehen gewesen.
Vor Gericht hielt diese Argumentation jedoch nicht. Die AK kämpfte für die Buchhalterin und gewann. Das Gericht entschied klar: Die Frau wurde wegen ihres Geschlechts diskriminiert. Besseres Verhandlungsgeschick sei kein Freibrief dafür, einer Frau bei gleicher Arbeit weniger zu zahlen.
Am Ende bekam die Frau 5.600 Euro Entschädigung. Für Anderl ist der Fall ein Beispiel dafür, was fehlende Transparenz bei Gehältern anrichten kann: "Wenn Einkommen von Anfang an transparent sind, dann hat man eine Verhandlungsbasis." Für sie ist klar: Faire Bezahlung darf nicht davon abhängen, wer lauter auftritt oder sich beim Gehaltsgespräch besser verkauft.
Der Fall aus Wien sei kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal. In Österreich liegt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bei 17,6 Prozent – deutlich höher als im EU-Schnitt (11,7 Prozent). Besonders bei Boni, Prämien und Zulagen bleibt oft unklar, wer warum wieviel bekommt.
Deshalb sei es hoch an der Zeit, die sogenannte Entgelttransparenzrichtlinie in Österreich umzusetzen. Damit bekommen Beschäftigte das Recht auf Auskunft über die durchschnittliche Bezahlung von Kollegen mit gleichwertiger Tätigkeit im Betrieb, aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Auch bei Bewerbungsgesprächen müssen Firmen mehr Infos zum Gehaltsschema liefern.
Und es kommen neue Entgelt-Berichtspflichten. Wenn das Lohngefälle in großen Unternehmen künftig über fünf Prozent liegt, müssen Betriebe erklären und gegensteuern.
"Es muss Schluss sein mit der Heimlichtuerei beim Geld", sagt Anderl.
Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) drängt bei den Verhandlungen zum Lohntransparenz-Gesetz auf Sozialpartnerebene auf ein rasches Ergebnis. Eine fristgerechte Lösung wird knapp, die letzten Nationalratssitzungen vor der Frist 7. Juni sind diese Woche.