Frauen verdienen weniger

Gehälter offenlegen – AK-Chefin will neues Lohngesetz

Bis 11. Februar arbeiten Frauen in Österreich "gratis". Arbeiterkammer-Chefin Anderl fordert rasche Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz.
Angela Sellner
10.02.2026, 09:44
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Statistisch gesehen arbeiten Frauen in Österreich heuer bis 11. Februar "gratis" – das ist in diesem Jahr der sogenannte "Equal Pay Day". Erst danach verdienen Frauen das, was Männer bereits ab 1. Jänner bekommen. Macht 42 "Gratis-Arbeitstage" für Frauen 2026.

Grund ist die nach wie vor massive Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern. Im EU-Vergleich zählt Österreich weiterhin zu den Schlusslichtern.

11,5 Prozent weniger

Laut Berechnungen des Netzwerks "Business and Professional Women Austria" liegt die Lohndifferenz im Schnitt noch bei 11,5 Prozent. Ginge die Entwicklung so weiter, würden Frauen hierzulande erst 2043 gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen...

Nur rund ein Drittel des Gehaltsunterschieds ist mit Faktoren wie Teilzeit, Branche oder Beruf zu erklären. Der Rest? "Hier liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei einem großen Teil um direkte Lohndiskriminierung handelt: Frauen verdienen für den gleichen oder einen vergleichbaren Job weniger als der Kollege im Betrieb", kritisiert Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer (AK).

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl fordert endlich Lohntransparenz in Betrieben.
Helmut Graf
„Frauen verdienen für den gleichen oder einen vergleichbaren Job weniger als der Kollege im Betrieb.“
Renate AnderlArbeiterkammer-Präsidentin

Über Geld wird nicht geredet

Ein Grund dafür: Über Geld wird in Österreich geschwiegen. Laut einer von der AK beauftragten Studie sprechen 59 Prozent der Beschäftigten am Arbeitsplatz nicht über ihr Einkommen. Dabei ist der Wunsch nach Transparenz groß: Fast 80 Prozent wünschen sich ein Recht auf Informationen über das durchschnittliche Einkommen von Kollegen, mehr als 90 Prozent wollen wissen, welche Überzahlungen es in ihrem Betrieb gibt. Und 88 Prozent hätten gern Erklärungen, welche Kriterien für ihre eigene Bezahlung ausschlaggebend sind.

Genau darum geht es in der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, die auch in Österreich umgesetzt werden muss. "Das eigene Geld soll kein Mythos sein. Das fordern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und genau das sieht die Richtlinie vor."

Wissen, wie viel bezahlt wird

Anderl fordert nun hierzulande die "zeitgerechte und wirksame" Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Damit müssen Entlohnungssysteme in Betrieben offengelegt werden – sodass auch klar ersichtlich ist, welche Prämien, Boni und Zulagen es gibt und nach welchen Kriterien diese zuerkannt werden.

Außerdem werden Beschäftigte dann von ihrem Arbeitgeber informiert, welche Kriterien für die Bewertung von Arbeit in dem Betrieb ausschlaggebend sind.

Und: Unternehmen ab 25 Beschäftigten müssen einen verständlichen Einkommensbericht erstellen, der als Grundlage dient, um ungerechtfertigte Lohnunterschiede gezielt auszugleichen.

"Intensive Verhandlungen"

"Die Umsetzung der Entgelttransparenz-Richtlinie für die Privatwirtschaft ist aktuell Gegenstand intensiver Verhandlungen", heißt es aus dem zuständigen Arbeitsministerium zu "Heute".  Den Ergebnissen wolle man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorgreifen. Man sei bestrebt, das so zügig wie möglich voranzutreiben

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 10.02.2026, 09:50, 10.02.2026, 09:44
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