Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: In den aktuellen Austria Top 40 auf Ö3 taucht seit Kurzem ein politischer Song auf. Die John Otti Band, die als "Hausband" der FPÖ gilt, landete mit dem Titel "Immer vorwärts FPÖ" auf Rang 20. Offiziell wird der Song als "featuring Herbert Kickl" geführt.
Ausgerechnet in der Sendung "Ö3 Austria Top 40", die jeden Montagabend zwischen 22 Uhr und Mitternacht läuft, kam es damit zu einem ungewöhnlichen Moment im Radio. Normalerweise geht es hier um internationale Popstars, diesmal aber stand plötzlich ein Parteisong im Rampenlicht.
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker und der von der FPÖ entsandte ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler hatten am Montagvormittag medial ordentlich ausgeteilt. Hafenecker verwies darauf, dass der Titel dank hoher Downloadzahlen in den Charts sogar vor Stars wie Bruce Springsteen oder Bad Bunny liege. "Besser als Bruce Springsteen", lautete sinngemäß der Seitenhieb.
Ob der Song tatsächlich im Radio laufen würde, stellte Hafenecker öffentlich infrage. "Ich bin gespannt, ob man heute Abend auf Ö3 den Mut hat, den Geschmack der Österreicher abzubilden, oder ob die Zensur-Schere im Kopf der Redakteure siegt", sagte er.
Dass "Immer vorwärts FPÖ" so weit nach vorne kam, ist kein Zufall. Die FPÖ hatte zuvor gezielt in sozialen Medien zum Download aufgerufen, um den Titel möglichst weit in die Charts zu bringen. Ziel sei es gewesen, "einen patriotischen Hit in die österreichischen Singlecharts zu bringen".
Der Text des Liedes sorgt dabei für Diskussionen. Zeilen wie "Zuerst das Volk und dann der Kanzler, Herbert Kickl geht voran" lassen keinen Zweifel am politischen Charakter. Besonders kritisch gesehen wird eine Passage, in der von einer "Dritten Republik" die Rede ist – ein Begriff, der in Österreich stark aufgeladen ist.
Ö3 selbst blieb nüchtern. Moderatorin Jana Petrik erklärte vor der Platzierung noch einmal das System hinter den Charts: "Hier zählt nur, was in Österreich in der letzten Woche am meisten gekauft und gestreamt worden ist." Danach lief der Song tatsächlich – allerdings nur rund 45 Sekunden.
Anschließend bekam Politologe Peter Filzmaier deutlich mehr Sendezeit. Er ordnete den Auftritt ein und erinnerte an frühere Beispiele singender Politiker, etwa Barack Obama. Sein Fazit: "Eigentlich müssten sich andere Parteien etwas Ähnliches einfallen lassen."