Seit Wochen sieht sich SPÖ-Chef Andreas Babler verstärkter Kritik ausgesetzt. Befeuert von desaströsen Umfragewerten für die Sozialdemokraten, wurde in den vergangenen Tagen auch über eine Kampfabstimmung beim kommenden Parteitag spekuliert. Denn noch bis Freitag ist Zeit, dass sich ein Gegenkandidat aufstellen lässt.
Ein Name, der in den vergangenen Tagen immer wieder, wenn auch unter vorgehaltener Hand, genannt wurde, ist jener von Alt-Kanzler Christian Kern. Dieser hält sich zu den Spekulationen zuweilen freilich vornehm zurück, "Heute"-Infos zufolge ist eine Kandidatur Kerns aber alles andere als vom Tisch.
Andere Kandidaten, die Babler das rote Spitzenamt streitig machen könnten, gibt es de facto nicht. Ob Kern – aktuell höchst erfolgreich in der Privatwirtschaft tätig – tatsächlich für ein Polit-Comeback offen ist, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden.
Denn eines ist klar: Die Zeit drängt. Am Freitag findet eine Sitzung der SPÖ-Granden (Vorstand und Präsidium) statt. Das Babler-Umfeld gibt sich betont gelassen, rechnet jedenfalls nach außen hin nicht mit außergewöhnlichen Ereignissen in den nächsten Tagen.
Wie eine mögliche Abstimmung zwischen den beiden Politikern ausgehen würde, ist ohnehin völlig offen. Denn auch wenn sich viele Funktionäre in der SPÖ augenscheinlich eine Neuausrichtung wünschen, hat Babler viele bedingungslose Unterstützer auf seiner Seite. Mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sowie der Einführung eines Sozialstromtarifs konnte der Vizekanzler zudem auch kleine politische Erfolge für sich verbuchen.
Ob Kern nun antritt oder nicht: Die SPÖ ist tief gespalten. Das zeigt sich auch daran, dass sich Kern ebenfalls kritischen Stimmen ausgesetzt sieht. Viele Genossen haben ihm bis heute nicht verziehen, die SPÖ in einem chaotischen Zustand hinterlassen und Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner ins kalte Wasser geschmissen zu haben.