Es ist ein beispielloser Schritt: Die US-Regierung hat den KI-Hersteller Anthropic gezwungen, seine leistungsstärksten Modelle Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden weltweit abzuschalten. Der Grund: Sicherheitsbedenken wegen eines angeblichen "Jailbreaks" – also eines Tricks, mit dem man die Schutzmechanismen der KI umgehen könnte.
Anthropic widerspricht der Darstellung aus Washington und spricht von einem "Missverständnis". Nach Prüfung der beanstandeten Technik habe man lediglich bekannte, geringfügige Schwachstellen gefunden, die auch andere KI-Modelle wie ChatGPT 5.5 aufspüren könnten.
Wie "heise.de" berichtet, trifft diese Sperre selbst ausländische Anthropic-Mitarbeiter innerhalb der USA. Das Unternehmen arbeitet an einer Wiederherstellung des Zugangs. Der Konflikt zwischen Anthropic und der US-Regierung schwelt schon länger – das Pentagon hatte den KI-Hersteller bereits als "supply chain risk" eingestuft, weil sich das Unternehmen weigert, seine Modelle für autonome Waffensysteme freizugeben.
Die Aktion der Trump-Administration könnte sich als Eigentor erweisen. Denn die Sperre demonstriert eindrucksvoll, wie schnell ein Produkt, von dem weltweit Unternehmen abhängig sind, einfach abgeschaltet werden kann. Für europäische KI-Anbieter ist das die beste Werbung.
Auch für IT-Verantwortliche in Österreich ist die Lektion klar: Wer sich zu stark von amerikanischen Big-Tech-Anbietern abhängig macht, riskiert plötzliche Ausfälle durch politische Entscheidungen jenseits des Atlantiks.
Alternativen wie das französische Mistral können zwar noch nicht ganz mit OpenAI oder Anthropic mithalten, bieten aber mehr Unabhängigkeit.
Fable 5 war erst vor wenigen Tagen im Pro-Tarif von Anthropic verfügbar geworden und sollte ohnehin nur bis zum 22. Juni im Abo bleiben. Nun kam das Ende früher – und unfreiwillig.