Europäische Unternehmen und Behörden verlieren plötzlich den Zugang zu einigen der leistungsfähigsten KI-Modelle der Welt. Eine Anordnung der US-Regierung sorgt nun für heftige Diskussionen über die digitale Abhängigkeit Europas.
Der deutsche Digitalverband Bitkom warnt nach dem Schritt aus Washington vor weitreichenden Folgen. Die US-Regierung hatte den KI-Entwickler Anthropic angewiesen, den Zugang zu seinen neuesten Modellen "Fable 5" und "Mythos 5" für ausländische Nutzer zu sperren.
"Deutschland und Europa sind beim Zugang zu den stärksten KI-Modellen vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig, das hat die überraschende Anordnung am Wochenende mehr als deutlich gemacht", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst am Montag.
Aus Sicht des Branchenverbandes könnte die Entscheidung weit über die Tech-Branche hinaus Folgen haben. "Dies hat unmittelbar Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unserer klassischen Industrien und unserer Verwaltungen und beeinträchtigt auch unsere Sicherheit und zum Beispiel die Exzellenz unserer Wissenschaft", erklärte Wintergerst weiter.
Der Bitkom-Präsident sieht die aktuellen Entwicklungen als Warnsignal für Europa. "Digitale Souveränität und eigene KI-Kompetenzen gehören mit an die Spitze der politischen Prioritäten."
Anthropic hatte bereits am Freitag bekanntgegeben, seine fortschrittlichsten KI-Modelle für alle Nutzer zu deaktivieren. Hintergrund ist eine Anordnung der US-Regierung, wonach Ausländer vorerst keinen Zugang mehr zu den Modellen erhalten sollen. Washington begründet den Schritt mit Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit.
Die EU-Kommission reagierte umgehend und teilte am Wochenende mit, die Auswirkungen der Maßnahme zu prüfen. Nach Angaben der Behörde bieten die neuen KI-Modelle erhebliche Vorteile etwa im Bereich der Cyberabwehr, könnten gleichzeitig aber auch Risiken für die Cybersicherheit mit sich bringen.
Im Zentrum der Debatte stehen die Modelle "Fable 5" und "Mythos 5". Experten zufolge befürchten die US-Behörden, dass die Systeme dazu genutzt werden könnten, Sicherheitslücken in Software aufzuspüren und diese für Cyberangriffe auszunutzen.
Für zusätzliche Brisanz sorgt das angespannte Verhältnis zwischen Anthropic und der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Das Unternehmen hatte sich zuvor geweigert, dem US-Militär die Nutzung seiner KI-Modelle für inländische Überwachung und vollständig autonome Waffensysteme zu erlauben. In weiterer Folge setzte die US-Regierung Anthropic auf eine schwarze Liste für Lieferketten.