Van der Bellen: "Nur SO kriegen wir Corona in den Griff"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner TV-Ansprache am 26.10.2020
Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner TV-Ansprache am 26.10.2020ORF/Hans Leitner
Um 19.46 Uhr wird sich Präsident Van der Bellen via TV an die gebeutelte Nation wenden. Kernbotschaft: "Österreich wird das bewältigen. Gemeinsam."

Die Fernsehansprache des Staatsoberhauptes am Nationalfeiertag hat in Österreich eine lange Tradition. Selten war sie mit solch großem Interesse erwartet worden, wie im Krisen-Jahr 2020. Wo stehen wir? Wie ist die Lage der Nation? Wird auch Van der Bellen – wie Kanzler Kurz am Vormittag – so brisante, eindringliche Worte finden. "Heute" konnte die Rede vorab einsehen. Hier die Kernpunkte:

➤ Augenscheinlich gleich zu Beginn der zehnminütigen Ansprache: Van der Bellen mit rot-weiß-getupfter Krawatte richtet sich um 19.46 Uhr (durchgeschalten im ORF) explizit an die "Österreicherinnen und Österreicher – und alle Menschen, die hier leben".

Das Staatsoberhaupt möchte anlässlich des Nationalfeiertages "Gedanken, Befürchtungen, Hoffnungen" mit der Bevölkerung teilen, denn, führt Van der Bellen aus: "Ich fühle, dass sich Vieles verändert. Einerseits ist es zu früh, um genau beurteilen zu können, in welche Richtung die Reise geht. Andererseits können wir das Ziel dieser Reise ja selber mitbestimmen. Wenn wir aufmerksam bleiben."

VdB vermisst Begegnungen

Der Präsident weiter: "Ja, wir befinden uns tief in einer weltweiten Pandemie, die direkt eines der menschlichen Grundbedürfnisse angreift: Das Bedürfnis nach Sicherheit und Nähe. Nach gegenseitigem Vertrauen. Nach sozialem Austausch. Nach Gemeinschaft. Auch er vermisse die Begegnungen, auch in der Hofburg: "Gerade der Nationalfeiertag ist normalerweise ein Tag, an dem sich viele Menschen in unserem Land treffen und miteinander freuen."

➤ Klare Worte gab es im Bezug auf die Corona-Pandemie und den nötigen Zusammenhalt in der Bevölkerung: "Ich spreche sicher für viele, wenn ich sage: Diese Pandemie geht uns allen ordentlich auf die Nerven. Sie ist eine Belastung für uns alle. Aber werden wir uns davon unterkriegen lassen? Nein, natürlich nicht. Österreich wird das bewältigen. Miteinander."

Was man jetzt tun kann? "Für den Augenblick ist es notwendig, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Damit wir frei sind, den nächsten Schritt zur Bewältigung zu machen", macht das Staatsoberhaupt Mut – um dann deutlich gegen parteipolitisches Hickhack Viel wird im Augenblick über Sinn und Unsinn der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gesprochen. Das ist gut, weil reden immer gut ist." Man solle aber Folgendes beachten:

➤ "Dieses Virus ist weder rot noch blau, noch türkis oder grün oder pink oder welcher Farbe auch immer. Nein, es ist einfach nur: ein Virus. Und wir bekommen es nur mit faktenbasiertem Handeln in den Griff. Und mit rechtzeitiger, verständlicher, nachvollziehbarer Kommunikation."

Van der Bellen: "Wie wäre es, wenn wir die Wut einfach sein lassen würden?"

Ein wechselseitiges Suchen nach Schuldigen helfe jetzt nichts: "Bekämpfen wir diese Pandemie mit Wissenschaft, Vernunft und Mitgefühl. Und bleiben wir in unserer Sprache respektvoll. Sprache schafft Bewusstsein und Realität. Das Bewusstsein und die Realität unserer Demokratie."

"Bleiben wir menschlich"

Auch auf den derzeit in gewissen Bevölkerungskreisen aufflammenden Zorn nimmt der Präsident Bezug: "Es ist unübersehbar, dass gerade viel Wut entsteht. Wut und auch Angst. Wut und Angst sind schlechte Ratgeber. Sie vernebeln unser Denken und leiten unser Handeln in falsche Richtungen. Wie wäre es, wenn wir die Wut einfach sein lassen würden? Und zur Kenntnis nehmen, dass diese Pandemie nicht die Absicht von irgendjemandem ist? Und dass wir trotz allem miteinander und nicht gegeneinander handeln müssen. Versuchen wir, unsere Ungeduld in etwas Positives umzuwandeln. Versuchen wir, unsere Wut nicht an denen auszulassen, die uns nahestehen. Versuchen wir, geduldig miteinander zu sein. Und mit uns selber. Und bleiben wir aufmerksam, bleiben wir wachsam. Bleiben wir menschlich."

Nachhilfestunde in Sachen Corona-Regeln

"Mir macht Hoffnung, wie viele von uns gut mit der Situation umgehen. Ich danke allen, die sich an die Coronaregeln halten", freut sich Alexander Van der Bellen über die tatkräftige Mithilfe von weiten Teilen der Bevölkerung. Jenen, die es nicht so genau nehmen, schreibt er elegant ins Stambuch: "Sie wissen schon

➤ Hände waschen
➤ Abstand halten
➤ Mund-Nasen-Schutz tragen
➤ Stopp-Corona App verwenden
➤ und die anderen wichtigen Maßnahmen einhalten."

Dank an Corona-Helden

Gegen Ende der Ansprache gibt es den obligaten Dank an all jene, "die unsere Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit am Laufen halten. In den Betrieben, Pflegeeinrichtungen, Schulen, der Verwaltung, den Spitälern und Arztpraxen, den vielen ehrenamtlichen Vereinen, und anderen wichtigen Orten".

"Wenn wir uns in einem Jahr, am 26. Oktober 2021, an dieser Stelle wiedersehen, dann haben wir hoffentlich das Schlimmste hinter uns."

Van der Bellen sieht die Lage nicht nur düster: "Es macht mich zuversichtlich, dass wir auch in Europa – nach anfänglichen Schwierigkeiten – wieder mehr zueinander finden. Zum Beispiel mit dem größten Investitionspaket in der Geschichte Europas: 750 Milliarden Euro. Das ist nicht nichts. Das ist die Basis für eine Zukunft, in der unser Land, unser Kontinent, wieder aufblühen werden. Davon bin ich felsenfest überzeugt."

So wird es 2021 aussehen

Die abschließende Prognose des 76-Jährigen für das kommende Jahr fällt zutiefst optimistisch aus: "Wenn wir uns in einem Jahr, am 26. Oktober 2021, an dieser Stelle wiedersehen, dann haben wir hoffentlich das Schlimmste hinter uns. Dann werden wir zurückblicken auf diese unwirkliche Zeit und sagen können: Wir haben niemals, auch in der schwierigsten Zeit nicht, unsere Vernunft, unser Mitgefühl, unsere Gemeinschaft vergessen. Denn darauf ist unsere wunderschöne Heimat gebaut. Und welcher Tag wäre besser geeignet, sich daran zu erinnern als unser Nationalfeiertag?"

>> Bundeskanzler Sebastian Kurz ist heute Abend "Zur Lage der Nation" um 20.15 Uhr zu Gast bei Corinna Milborn auf Puls 4. "Heute"berichtet.

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