Frust steigt

"Verar***en uns alle": Böhler-Mitarbeiter platzt Kragen

Das Chaos rund um die Schließung des Lorenz-Böhler-Spitals sorgt für viel Wut bei der Belegschaft. Die AUVA versucht indes, die Wogen zu glätten.

Nicolas Kubrak
"Verar***en uns alle": Böhler-Mitarbeiter platzt Kragen
Seit 30 Jahren entsprich das Lorenz-Böhler-Krankenhaus nicht den Brandbestimmungen. 
Denise Auer

Die Auseinandersetzung rund um das Aus für das Lorenz-Böhler-Krankenhaus nimmt immer dramatischere Formen an. Am 28. Februar hatte die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ja angekündigt, wichtige Abteilungen im Traumazentrum Wien Brigittenau – ehemals UKH Lorenz Böhler – zu schließen, "Heute" berichtete.

Chronologie des Chaos

Was in den Tagen danach passierte, war in diesem Ausmaß bestimmt nicht zu erwarten. Unpersönliche Briefe an Patienten, schlechte Kommunikation (Ablauf wie ein "Putsch") und Streitigkeiten zwischen AUVA-Führung und Stadtpolitik sorgten für Chaos und Empörung.

Die Angestellten des Lorenz-Böhler haben das jedenfalls satt: Am Mittwoch um 8.30 Uhr wird es eine Protest-Aktion geben, unter dem Motto "Lasst uns arbeiten" wird die Belegschaft einen etwa halbstündigen Warnstreik abhalten.

Feuerschutz fehlte seit 30 Jahren

Am Dienstag gossen die Äußerungen von Erich Kern, der das Brandschutzgutachten für die AUVA erstellt hat, im Ö1-Morgenjournal noch mehr Öl ins Feuer. Er erklärte, dass der Mangel, der zur vorübergehenden Schließung des Spitals führt, seit der ersten Februarwoche bekannt sei. 

Dennoch gebe es eine längere Vorgeschichte. Im vergangenen Sommer seien umfangreiche Sanierungen im Lorenz-Böhler-Spital geplant worden. Damals sei festgestellt worden, dass der bestehende Feuerwiderstand der Stahlkonstruktion 30 Minuten betragen solle. Laut Behörde müsse dieser Wert bei 90 Minuten liegen.

Die AUVA wurde damals beauftragt, ein Sicherheitskonzept vorzulegen, Kern erhielt im Dezember den Auftrag, zu ermitteln, ob das Konzept brandschutztechnisch tragfähig sei. Das Ergebnis: Die Brandschutzbeschichtung der Stahlkonstruktion sei nicht ausreichend, es gab also nicht einmal einen Brandschutz von 30 Minuten. In Brigittenau stand also ein Krankenhaus, das seit 30 Jahren nicht den Brandschutzbestimmungen entsprach! 

Durchklicken: Alle Fotos rund um Böhler-Schließung

    Am Mittwoch streiken die Angestellten des Lorenz-Böhler-Krankenhauses. 
    Am Mittwoch streiken die Angestellten des Lorenz-Böhler-Krankenhauses.
    Denis Auer

    "Die verar***en uns alle"

    Eine von der AUVA-Führung organisierte Info-Veranstaltung für die Böhler-Belegschaft sollte Entspannung und Klarheit bringen – doch das war nicht der Fall. "Ich war nicht selbst dort. Aber wie ich erfahren habe, waren eher wenige Leute dabei. Der Saal wurde zugesperrt, die Stimmung war sehr gedämpft. Der Herr Generaldirektor soll sehr wortkarg gewesen sein und keine klaren Antworten gegeben haben", berichtete Unfallchirurg und Betriebsratsvorsitzender-Stellvertreter Heinz Brenner.

    Wie die "Krone" berichtete, sollen die Antworten der AUVA-Führung nur für noch mehr Frust unter den Mitarbeitern gesorgt haben. So soll es immer wieder Zwischenrufe aus dem Publikum und ausweichende Antworten des Generaldirektors Alexander Bernart gegeben haben. Dieser soll zudem die Schuld an der unsicheren Informationslage zu einem Gutteil auf die Stadt geschoben haben. Ein knappes, aber aussagestarkes Resümee einer Pflegerin: "Die verar***en uns alle". 

    Verlagerung des Betriebs "alternativlos"

    "Heute" fragte bei der AUVA um eine Stellungnahme zum aktuellen Chaos im Lorenz-Böhler-Krankenhaus an. Folgende Fragen wurden in dem Schreiben formuliert: "AUVA-Generaldirektor Bernart soll die Schuld an der unsicheren Situation der Stadt Wien gegeben haben: Was sind die konkreten Gründe dafür?", "Wieso entsprach das Krankenhaus 30 Jahre lang nicht den Brandschutzbestimmungen?", "Was sagen Sie zu den Vorwürfen, die AUVA würde sich aus der Unfallversorgung zurückziehen wollen?"

    Die AUVA verwies lediglich auf eine am Dienstagvormittag veröffentlichte Aussendung, in der die Generaldirektion die jüngsten Entwicklungen erläuterte. Aufgrund der neuen behördlichen Brandschutz-Festlegungen sei der Betrieb rasch einzustellen. "Bis dahin wird durch das Beistellen eines Feuerwehrzuges ab Mittwoch sichergestellt, dass alle Menschen, die sich noch im Gebäude aufhalten, bis zur endgültigen Absiedelung in höchstmöglicher Sicherheit sind. Die Verlagerung des Betriebs ist im Sinne der Sicherheit von Leib und Leben alternativlos."

    VIDEO: Brandschutz im Lorenz Böhler mangelhaft

    "Das bedauern wir ausdrücklich"

    Erst das Gutachten habe das wahre Ausmaß der brandschutztechnischen Defizite offengelegt. "Die fundamentalen Mängel sind auf Versäumnisse bei Baumaßnahmen vor über 30 Jahren zurückzuführen", hieß es. Man versicherte, dass "alle geplanten und akuten" Operation an den alternativen Standorten durchgeführt werden können. Schon jetzt stehe das Traumazentrum Wien-Meidling zur Verfügung. "Mit unseren Partnern der Stadt Wien laufen Gespräche, um weitere Kapazitäten zu sichern. Und selbstverständlich ist keine Streichung von Stellen geplant, weder im ärztlichen, therapeutischen und pflegerischen Dienst, noch in sonstigen Bereichen des Hauses."

    Aufgrund der "Dynamik der vergangenen Tage und diverser Fehlinformationen" sei es nicht gelungen, alle Mitarbeiter und Patienten rechtzeitig zu informieren. "Das bedauern wir ausdrücklich und werden künftig alle notwendigen Schritte setzen, um eine zeitnahe Kommunikation der weiteren Pläne an alle unsere Partner sicherzustellen", so die AUVA. 

    "Keine Zeit für Schuldzuweisungen"

    "Für die unmittelbare Zukunft werden wir mit unserem Team unsere ganze Aufmerksamkeit der aktuellen Lage widmen. Die Planung für die weitere Zukunft und auch die Aufarbeitung von allfälligen Fehlern werden wir im Anschluss mit voller Tatkraft angehen. Bis dahin bitten wir um Ihr Verständnis, dass wir keine Zeit für Schuldzuweisungen oder andere Scharmützel haben", hieß es abschließend.

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      Auf den Punkt gebracht

      • Die Schließung des Lorenz-Böhler-Spitals löste Chaos und Wut bei der Belegschaft aus
      • Die fehlende Kommunikation und die mangelhafte Brandsicherheit des Krankenhauses führten zu Empörung und Protestaktionen des Personals, während die AUVA die Verlagerung des Betriebs als alternativlos verteidigte
      nico
      Akt.
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