Vergewaltigung in Polizeischule – Wiener geht frei

In der Marokkanerkaserne in Wien-Landstraße soll es zu dem Übergriff gekommen sein.
In der Marokkanerkaserne in Wien-Landstraße soll es zu dem Übergriff gekommen sein.
Helmut Graf
Große Aufregung herrschte im Februar um eine vermeintliche Vergewaltigung in der Polizeischule. Nun wurde das Verfahren in aller Stille eingestellt.

Just ein angehender Polizist soll selbst ins Kriminal geglitten sein und am 20. Februar, nach einer Lokal-Tour mit Kollegen, eine Mitschülerin in der Marokkanerkaserne vergewaltigt haben – wir berichteten. Ob freiwilliger Akt oder nicht – darüber gingen nun fünf Monate lang die Meinungen auseinander. Fakt ist: Wie "Heute" erfuhr, wurde der Ermittlungsakt unlängst geschlossen; das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt.

 Begründet wird der Schritt mit der leugnenden Verantwortung des Verdächtigen sowie aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit des Opfers.

Dabei hatte es für den Beamten in spe anfangs gar nicht gut ausgesehen. Nach einer Anzeige seiner 22-jährigen Mitschülerin war er zwischenzeitlich sogar zwei Tage lang in Untersuchungshaft gesessen. Sein Anwalt Philipp Wolm erwirkte schließlich die Enthaftung – Kontaktverbot inklusive.

Lokaltour durch die Wiener City

Doch was war geschehen an jenem feucht-fröhlichen Abend? Nach einer Alkomatenschulung fuhr Susi G. (Name geändert) noch mit zwei Klassenkameraden ins Wiener Bermuda-Dreieck, später weiter in eine bekannte Innenstadt-Disco. Dort soll es laut der jungen Frau zu folgender Begebenheit mit ihrem Kollegen Max L. (Name geändert) gekommen sein: "Er hat mich angetanzt und ich konnte seinen erigierten Penis an meinem Hintern spüren."

Max L.: "Ich bin im Bezug auf Frauen kein Kind von Traurigkeit."

"Ich dachte, da geht etwas", sagte der 26-Jährige später in seiner Einvernahme. Und weiter: "Sie hat an der Stange getanzt. Es hat mir natürlich gefallen. So ein Tanz ist ja auch immer etwas provozierend." Nachsatz: "Es kann schon sein, dass ich einen erigierten Penis hatte als wir getanzt haben." Laut den Aussagen der Frau waren ihr die Anbahnungsversuche und die aufdringliche Art den ganzen Abend über unangenehm. Dennoch vertraute sie sich ihrem anwesenden Lehrer nicht an und ließ Max L. später bei sich in der Polizeischule übernachten: "Er wusste nicht, wo er schlafen soll. Man lässt einen Kollegen nicht im Stich."

Die Staatsanwaltschaft stellt dazu klar: "Es ist keinesfalls nachvollziehbar, warum sie sich dort auch noch trotz seiner Gegenwart bis auf die Unterwäsche entkleidet hat, wenn sie kein Interesse an sexuellen Akten mit ihm gehabt hat."

Susi G.: "Ich ließ es über mich ergehen."

Tatsächlich kam es im Zimmer von Susi G. dann zum Geschlechtsverkehr – oder, wie Susi G. beschwört – zur Vergewaltigung. Aus Angst, aus der Schule zu fliegen, schrie sie nicht um Hilfe: "Ich ließ es über mich ergehen", sagte die 22-Jährige aus. "Ich habe versucht, ihn wegzudrücken, konnte ihm aber nicht entkommen."

"Für mich war alles freiwillig"

"Für mich war alles freiwillig", konterte Max L. "Sie hat dabei sogar gestöhnt, daher bin ich davon ausgegangen, alles sei in Ordnung." Dennoch war der Geschlechtsverkehr recht schnell vorbei. "Es hat nicht gut geklappt."

Am nächsten Vormittag lernten die beiden, so, als wäre nie etwas gewesen, zusammen für einen Strafrechtstest, fragten sich gegenseitig ab; Susi G. habe ihm sogar Reste ihres Mittagessens angeboten. Dinge, die man laut Philipp Wolm, Anwalt des Beschuldigten, nicht tun würde, wenn man in der Nacht zuvor vergewaltigt worden wäre.

➤ Außerdem deckte der Star-Verteidiger auf: Nur zwei Tage nach dem angeblichen Übergriff nahm das vermeintliche Opfer verkleidet an einem Faschingsumzug in Niederösterreich teil. Davon gibt es auch Beweisfotos im Akt.

Anwalt Philipp Wolm boxte den jungen Wiener raus.
Anwalt Philipp Wolm boxte den jungen Wiener raus.
Denise Auer

Susi G. rechtfertigte sich folgendermaßen: "Ich habe monatelange Vorbereitungen und viel Geld investiert gehabt und dachte, dass mir ein bisschen Abwechslung gut tun würde."

"Kein Kind von Traurigkeit"

Der Wiener, der zum Zeitpunkt des Vorfalls eine Ehefrau, ein zweijähriges Kind und eine Freundin hatte, sagte aus: "Ich bin im Bezug auf Frauen kein Kind von Traurigkeit, habe aber noch nie ein Mädchen zum Sex gezwungen oder Gewalt angewendet." Im Ermittlungsverfahren konnte ihm genau das auch nicht nachgewiesen werden; auch eine Verletzung im Intim-Bereich der Frau sei laut Gutachten kein eindeutiges Indiz für einen Übergriff. Daher erhebt die Staatsanwaltschaft Wien keine Anklage gegen den 26-jährigen Wiener. Sein Ruf ist dennoch zerstört: Aus der Polizeischule ist er rausgeflogen, die Freundin weg – die Ehefrau ebenso. Auch, wenn strafrechtlich nichts übrig blieb. Eine Story voller Verlierer …

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