Ralf Rangnick ist seit Mai 2022 Teamchef des ÖFB – und sein Vertrag hat sich dank der erfolgreichen EM- und nun auch WM-Qualifikation bereits zweimal automatisch verlängert. Durch das gelöste Ticket für die WM in den USA, Kanada und Mexiko bleibt Rangnick noch bis nach dem Turnier im Amt. Ende Juli 2026 würde er nach aktuellem Stand sein letztes ÖFB-Gehalt beziehen.
Wie es danach weitergeht, muss allerdings lange vor der WM geklärt sein: Für den Verband, weil schon im September 2026 die Nations League wartet – und für Rangnick selbst, weil große Trainerjobs im Klubfußball nicht erst im Hochsommer vergeben werden.
ÖFB-Präsident Josef Pröll verweist zwar auf den laufenden Vertrag, kündigt aber ein persönliches Gespräch mit Rangnick an – entweder rund um die WM-Auslosung am 5. Dezember in Washington oder kurz danach. "Ralf Rangnick und ich haben eine wirklich belastbare Beziehung und Gesprächsbasis aufgebaut", so Pröll. Entscheidend ist nun, ob Rangnick überhaupt weitermachen möchte. Von mehreren Faktoren wird es abhängen:
Dass Rangnick Österreich liebt, seinen Wohnsitz am Obertrumer See genießt und sich längst als "halber Österreicher" bezeichnet, ist kein Geheimnis. Das Umfeld passt – und das spielt eine Rolle.
Rangnick kam, weil der Spielstil des Nationalteams perfekt zu seiner Philosophie passte – und das wird zum Großteil auch nach der WM so bleiben. Dennoch stehen mögliche Rücktritte von Leitfiguren wie Marko Arnautović oder David Alaba im Raum. Die große Frage: Wer übernimmt künftig die Rolle des Tor-Garanten?
Rangnick arbeitet nur mit absoluten Vertrauensleuten. Doch ausgerechnet sein engster Begleiter Lars Kornetka könnte den ÖFB verlassen – er besitzt inzwischen die UEFA-Pro-Lizenz und liebäugelt mit einem Cheftrainer-Posten. Ein Abgang des Taktik-Architekten wäre ein sensibles Thema.
Zuletzt machte dem 67-Jährigen sein mehrfach operiertes Sprunggelenk Probleme. Wie belastbar er auf Dauer bleibt und ob ein Vollzeit-Job bei einem Topklub überhaupt sinnvoll wäre, steht im Raum. Niemand hofft, dass seine Gesundheit zu einem Karrierefaktor wird.
Rangnick ist nicht aus finanziellen Gründen beim ÖFB – dennoch wird eine Verlängerung ohne Anpassung kaum möglich sein. Er verdient derzeit laut Verbandskreisen etwa 1,5 Millionen Euro brutto im Jahr, ähnlich wie zuvor Franco Foda. Nach zwei erfolgreichen Qualifikationen müsste sich der Verband wohl nach oben orientieren.