Es ist eine nüchterne Presseaussendung der Polizei Tirol, hinter der sich aber Erschreckendes verbergen dürfte – das im Bericht aber unerwähnt bleibt. Am Donnerstagnachmittag wurde über den "Verdacht der Nötigung und andere Delikte in Völs" berichtet. Zwei Tage zuvor soll es in einer Wohnung zu einem Streit zwischen einem 36-jährigen Österreicher und seiner 34-jährigen Gattin gekommen sein, gefährliche Drohung inklusive.
In der Folge verließ die Frau mit den drei Kindern des Paares die Wohnung. Der Mann verließ ebenfalls das Haus, folgte der 34-Jährigen, traf diese im Bereich des Bahnhofs an, nahm den siebenjährigen Sohn zu sich und fuhr mit seinem Pkw davon. Anschließend zeigte die Frau den Sachverhalt bei der Polizei an.
In der Folge konnte von der Verhandlungsgruppe der Polizei mit dem Mann telefonisch Kontakt aufgenommen werden bzw. ließ sich der 36-Jährige kurz darauf widerstandslos an seiner Wohnadresse in Völs festnehmen.
Bei der anschließenden Hausdurchsuchung wurden zwei Schreckschusspistolen und zwei legale Waffen in einem Tresor gefunden. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Innsbruck wurde er auf freiem Fuß angezeigt.
Nun haben sich aber die Angehörigen des 36-Jährigen bei der "Tiroler Tageszeitung" gemeldet – und erheben schwere Vorwürfe. Es sei richtig, dass es einen Streit gegeben habe. Die Frau wollte daraufhin mit den Kindern zu ihrer Familie nach Deutschland fahren. Am Bahnhof sei der siebenjährige Bub von selbst zum Vater gelaufen, wollte bei ihm zu Hause bleiben, was die Ehefrau auch akzeptierte.
Vater und Sohn fuhren daraufhin in ein Einkaufszentrum und trafen sich dort mit den Großeltern – als plötzlich das Handy klingelte. "Die Polizei rief wegen einer angeblichen Geiselnahme bei meinem Sohn an. Wir haben uns überhaupt nicht ausgekannt. Mein Sohn war kooperativ und versprach, mit dem Kind nach Hause zu fahren. Er stand die ganze Zeit über mit der Polizei in Kontakt", schildert der Großvater, ein Völser Unternehmer, den "TT".
Zu viert machten sie sich auf den Heimweg, die Großeltern fuhren zuerst am Haus vor. Direkt beim Aussteigen sei der Großvater von Cobra-Beamten mit den Waffen bedroht, überwältigt und mit dem Knie zu Boden gedrückt worden. "Ich habe gesagt, wer ich bin und dass ich erst vor einer Woche eine schwere Operation hatte. Die Schmerzen waren enorm, ich schrie, dass sie mich umbringen. Erst nach einiger Zeit merkten sie, dass sie den Falschen haben. Dann ließen sie von mir ab."
In der Notaufnahme seien zahlreiche Prellungen festgestellt worden, "offenbar sind auch Rippen gebrochen". Am schlimmsten sei aber der Schock. "Ich bin traumatisiert und habe in der Nacht kein Auge zugetan."
Auch die Polizei räumt gegenüber den "TT" nun ein, dass es beim Einsatz zu einer Verwechslung kam. "Der Großvater des Kindes hatte keine offensichtlichen Verletzungen, war aber geschockt."