Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat überraschend das rund drei Jahrzehnte alte Hebron-Abkommen mit der palästinensischen Autonomiebehörde für aufgehoben erklärt. Auf der Plattform X verkündete er: "Ich habe das Hebron-Abkommen aufgehoben."
Wenig später widersprach jedoch das israelische Außenministerium der Aussage Smotrichs. In einer Stellungnahme hieß es, das Hebron-Abkommen sei entgegen der Aussage des Finanzministers nicht aufgehoben worden. Es gehe lediglich um eine Entscheidung des Sicherheitskabinetts zu Planungs- und Baufragen im jüdischen Viertel Hebrons sowie an jüdischen Stätten.
Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem es jahrelang keine Zusammenarbeit von Seiten der Stadtverwaltung Hebron bei diesen Angelegenheiten gegeben habe. Sonstige Änderungen im Abkommen gebe es laut israelischem Außenministerium nicht.
Smotrich betonte, verschiedene Befugnisse in Hebron und an den heiligen Stätten, darunter die Patriarchengräber, würden nun wieder vollständig an Israel übergehen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnte laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vor schwerwiegenden Folgen dieser Entscheidung und rief die internationale Gemeinschaft zum raschen Eingreifen auf. Die Hamas bezeichnete den Schritt als "beispiellose politische und militärische Eskalation" und forderte verstärkten Widerstand gegen die Maßnahmen.
Auch die israelische Organisation Peace Now kritisierte Smotrichs Vorgehen scharf und sprach von einem gefährlichen, verantwortungslosen Schritt. Die Regierung sei im aktuellen regionalen Krieg an allen Fronten gescheitert, nun wolle Smotrich das Westjordanland weiter destabilisieren.
Das Hebron-Abkommen wurde 1997 unter Premierminister Benjamin Netanjahu geschlossen. Es regelt die Teilung der Stadt Hebron, wobei Israel etwa ein Fünftel der Stadt weiterhin kontrolliert, um jüdische Siedler zu schützen. Insgesamt leben in Hebron schätzungsweise 200.000 Palästinenser.
Die Patriarchengräber in Hebron gelten als heilige Stätte für Juden, Christen und Muslime. Die Synagoge vor Ort steht unter israelischer Verwaltung, während die Moschee palästinensisch verwaltet wird.