Wie Erste-Liga-Fußballklub Vienna zu einem Ziel der Wett-Mafia wurde, berichtet der "Kurier" am Sonntag. Ehemalige Spieler des Clubs aus der zweiten Spielklasse sollen Partien absichtlich verloren haben. Präsident Herbert Dvoracek gibt dies erstmals offen zu. Der Verein hatte massive Wett-Probleme in den Saisonen 2010/11 und 2011/12.
Wie Erste-Liga-Fußballclub Vienna zu einem Ziel der Wett-Mafia wurde, berichtete der "Kurier" am Sonntag. Ehemalige Spieler des Vereins aus der zweiten österreichischen Spielklasse sollen Partien absichtlich verloren haben. Präsident Herbert Dvoracek gab dies erstmals offen zu. Der Verein hatte massive Wett-Probleme in den Saisonen 2010/11 und 2011/12.
Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt seit mehr als einem Jahr in dieser Causa. Staatsanwaltschaftssprecher Arnulf Rumpold bestätigte im "Kurier": "Die Ermittlungen laufen und sind umfangreich. Es geht in diesem Ermittlungsschritt auch um Verdachtsmomente bei Kapfenberg und Hartberg." Bei den beiden steirischen Profi-Klubs, ebenfalls aktuell Teilnehmer der Erste Liga, fielen in der Vergangenheit auch eigenartige Aktivitäten auf dem Feld und auf dem Wettmarkt auf.
Auf drei Vienna-Spiele (2:3 bei Austria Lustenau, 12. 4. 2011; 1:4 beim FC Lustenau, 9. 9. 2011; 0:2 in Hartberg, 16. 9. 2011) wurden in Asien jeweils mehrere Hunderttausend Euro gesetzt. Vor allem auf Niederlagen, die nach kuriosen Spielverläufen eintrafen. Den Verantwortlichen fehlten damals Beweise gegen diverse Spieler, es gab keine Kündigungen.
Betroffene Spieler wurden verwarnt, verließen die Vienna
Mit den verdächtigten Spielern gab es für das Frühjahr 2012 einen heiklen Deal. "Wir haben ihnen klar gesagt, dass sie eigentlich weg gehören. Und dass wir selbst sofort Anzeige erstatten, wenn im Frühjahr noch etwas passiert. Das war natürlich ein Eiertanz", sagte Präsident Dvoracek im betreffenden "Kurier"-Artikel. "Zu 80 Prozent waren die Leistungen dann in Ordnung."
Die Vienna rettete knapp den Klassenerhalt, die vermeintlichen Betrüger verließen den Club. "Jetzt sind alle Spieler in Ordnung, aber mit den Nachwehen kämpfen wir noch", meinte Dvoracek, der klarstellte: "Wir waren das Opfer, nicht der Täter."
Klare Ziele der Wettmafia
Da die Vienna schon länger mit finanziellen und sportlichen Problemen kämpft, war sie ein einfaches Ziel für die Wett-Mafia. Die Kriminellen suchten bewusst nach Abstiegskandidaten mit Geldproblemen und platzierten dort Spieler, die sie sich vorher "gekauft" hatten. Dvoracek: "Die Wett-Mafia ist ein Problem für den ganzen Fußball. Ich hab mich selbst geniert für das, was bei der Vienna passiert ist. Es war das Schlimmste für einen Verein."
Vienna war um Aufklärung bemüht
In einer Aussendung als Reaktion auf den Zeitungsartikel hält der First Vienna FC fest: "Von Seiten der Vienna wurde nach dem ersten Vorfall im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten von Wettverläufen bei Spielen des First Vienna FC 1894 mit zwei öffentlichen Stellungnahmen (14. & 19.4.2011) umgehend reagiert und man war seitdem stetig bestrebt, im Rahmen der Möglichkeiten des Vereins aktiv an der Aufklärung der Vorkommnisse beizutragen. Generell ist festzuhalten, dass der Zusammenhang zwischen Sportwetten und der Manipulation von Spielen ein ausgesprochen heikles Thema ist, an das es mit äußerster Vorsicht heranzugehen gilt."
Beweiserbringung im Sport schwierig
Das Problem Wettmanipulation sei ein Globales, rund um den ganzen Erdball, heißt es weiter. "Betroffene Vereine stehen in solchen Fällen vor einer extrem schwierigen Situation. Fehler passieren - im Sport, wie auch sonst - weshalb eine Beweiserbringung auf sportlicher Ebene de facto ausgeschlossen ist. Und bis die zuständigen Behörden ihre Ermittlungen und Verfahren abgeschlossen haben, gilt selbstverständlich auch die Unschuldsvermutung."