Virus-Mutation: Reisebeschränkungen werden verlängert

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (GRÜNE) bei der Pressekonferenz am 08.01.2021
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (GRÜNE) bei der Pressekonferenz am 08.01.2021Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Am Freitag gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober neue Details zur Virus-Mutation und zur aktuellen Lage in Europa bekannt.

Die neuen Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika sind auch in Österreich angekommen. Zu Beginn der Woche waren fünf Fälle bekannt. Alle wurden bei Tests am Flughafen entdeckt.

Am Freitag informierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober gemeinsam mit Virologin Monika Redlberger-Fritz, GÖG-geschäftsführer Herwig Ostermann und Andreas Bergthaler (CEMM Research Center for Molecular Medicine) über neue Details zur Mutation und die Veränderungen in Europa.

Keine neuen Fälle der Mutation in Österreich

In Großbritannien sind die Corona-Zahlen aufgrund der neuen Virus-Variante regelrecht explodiert. Der Lockdown dauert hier bis Mitte Februar. Seit Montag wurden in Österreich keine neuen Fälle der englischen oder südafrikanischen Mutation entdeckt, wie Andreas Bergthaler betonte.

Laut WHO werden die nächsten Wochen und Monate aufgrund der kältesten Jahreszeit noch schwierig. "Mit den steigenden Temperaturen und dem Greifen der Impfungen sollte es Schritt für Schritt einfacher werden", erklärt Anschober. Was die Mutation B117 betrifft, sollen die Reisebeschränkungen für Großbritannien und Südafrika verlängert werden.

2.063 Neuinfektionen in Österreich

Die Neuinfektionen in der Jännerwoche sind gekennzeichnet von den Feiertagen, danach sollten die Zahlen aber sinken. "Uns bleiben noch zwei Wochen des Lockdowns. Es liegt an uns allen, diesen zu nützen", betonte der Gesundheitsminister.

Am Freitag wurde 2.063 Neuinfektionen vermeldet. 2.000 Menschen befinden sich mit einer Corona-Erkrankungen auf den Normalstationen, 371 müssen intensiv betreut werden.

Weiters erklärte Anschober, dass der Schwerpunkt bei den Corona-Tests sich gerade auf Antigentests verschiebe. Die Testungen sollen für Berufsgruppen- und Zugangstestungen ausgedehnt werden. Der Gesetzesentwurf dazu werde am Freitag den Oppositionsparteien übermittelt, "Heute" berichtete. Die Eingangstests seien aber laut Anschober kein Ersatz für andere Schutzmaßnahmen. 

Die Impfungen werden nun primär in Pflege- und Altenheimen durchgeführt. Die Berichte über die Verträglichkeit seien bisher durchwegs positiv. Knapp 30.000 Impfungen werden laut Anschober bis Ende der Woche ausgeliefert sein. 

"Die Coronaviren sind RNA-Viren und diese sind sehr mutationsfreudig, somit sind diese neuen Mutationen nicht überraschend", erklärte Virologin Monika Redlberger-Fritz.

Keine Unterschiede bei Schwere der Erkrankung

Das sei "kein Grund zur Beunruhigung". Die internationale Überwachung ist überaus wichtig, alle Länder machen derzeit ausreichende Sequenzierungen. Was die Schwere der Erkrankung durch die Mutation angeht, habe man bisher noch keine Unterschiede gefunden. "Da brauchen wir uns keine Sorgen machen", sagte Redlberger-Fritz.

Die Infektionsrate könne aber zum Problem werden. Mehr Erkrankte bedeuten mehr Belastung für das Gesundheitssystem. "Dementsprechend gilt es, das Problem der großen Zahlen gar nicht auftreten zu lassen", so die Expertin. Die wichtigsten Maßnahmen seien der Mund-Nasen-Schutz, das Abstandhalten und die Reduktion der sozialen Kontakte.

Berichte, dass Kinder von den neuen Varianten stärker betroffen sind, haben sich laut Redlberger-Fritz bisher nicht bewahrheitet. Die hohen Infektionszahlen hängen mit geöffneten Schulen zusammen. Andreas Bergthaler erklärte, dass man die Mutation nicht über PCR oder Antigentests erkenne. "Man braucht sehr moderne, molekularbiologische Techniken", so der Experte. Aber dafür sei man in Österreich gut aufgestellt.

Sequenzierungen dauern fast zwei Wochen

Die Sequenzierungen dauern rund eineinhalb bis zwei Wochen. Die internationale Forschung müsse hier eng zusammenarbeiten. Knapp 550 Virus-Genome seien laut Bergthaler seit September sequenziert worden. Dänemark und England liegen vorne. Österreich befinde sich im Mittelfeld. Das Virus habe sehr viele Mutationen gleichzeitig "angesammelt", die Lage sei deshalb ernst zu nehmen.

Praxen in ganz Österreich sammeln Proben. Die AGES leitet gezielt Proben aus Clustern weiter. Damit könne man sehr viele Proben sequenzieren. Virus-Genome werden auch aus dem Abfluss sequenziert. Analyse von Daten aus Kläranlagen in Salzburg würden keine signifikanten Werte der Mutation zeigen. Bei den bisherigen Funden war ein "Reisehintergrund" gegeben.

Eine Journalistin fragte, ob es strafrechtliche Folgen gebe, sollte man das Virus nach Österreich einschleppen. "Für alle Urlauber gelten strenge Einreiseregelungen mit Quarantänebestimmungen", so Anschober. Bei Verstößen gebe es Konsequenzen.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich, geht bis Mitte nächster Woche von rund 2.000 Neuinfektionen aus.

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