Bergen, Schlössern und Windrädern – all das hat Österreich zu bieten. Diese Schauplätze zeigt der ORF auch vor jedem ESC-Auftritt. Doch dann schweben ESC-Stars durchs Bild wie aus einer alten "Tom Turbo"-Folge. Und genau das kommt bei vielen Fans gar nicht gut an.
Die diesjährigen ESC-Postcards – also die kurzen Einspieler vor jedem Auftritt – sorgen nach den beiden Halbfinals für heftige Diskussionen im Netz.
Vor allem ein Vorwurf fällt immer wieder: "Das sieht billig aus."
ORF-Kommentator Andi Knoll sprach das Thema während des zweiten Halbfinals sogar selbst an. Er erklärte live auf Sendung, warum die Künstler heuer nicht direkt an den gezeigten Orten gefilmt wurden: "Die Künstler waren nicht an den Original-Drehorten und Schauplätzen, weil das einfach zu teuer gewesen wäre", so Knoll.
Stattdessen wurden die Acts in einem Studio nahe des Wiener Flughafens aufgenommen. Die Hintergründe wurden später digital eingefügt.
Genau das sieht man den Clips auch deutlich an. Jedoch nicht im positivsten Sinne.
Während Aufnahmen vom Schloss Schönbrunn, dem Lech oder dem Neusiedler See eingeblendet werden, wirken schweben die Künstler wie Geister durchs Bild.
Der Vergleich mit dem Vorjahr macht die Kritik zusätzlich größer.
Beim ESC in Basel wurden die Acts nämlich tatsächlich an den jeweiligen Orten gefilmt. Vorjahressieger JJ durfte damals etwa im Emmental selbst Käse machen.
Heuer setzt man stattdessen auf Greenscreen-Technik und digitale Bildwelten.
Produziert werden die Postcards von Gebhardt Productions. Laut ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz wolle man Österreich modern, vielfältig und kreativ präsentieren.
Die Clips kombinieren reale Außenaufnahmen mit Studioaufnahmen der Acts und sollen kleine "Miniwelten" erschaffen. Jede Postcard wird zusätzlich als echte Ansichtskarte dargestellt – als Hommage an den Kärntner Emanuel Herrmann, der die Postkarte 1868 erfunden haben soll.
Ganz billig ist der ESC trotzdem nicht. Die Gesamtkosten des diesjährigen Song Contests sollen sich auf rund 36 Millionen Euro belaufen, finanziert von ORF und der Stadt Wien. Für die Drehorte war wohl kein Geld mehr da.