Warum Menschen (nun wieder) Klopapier bunkern

Toilettenpapier ging vor dem ersten "Lockdown" weg wie warme Semmeln.
Toilettenpapier ging vor dem ersten "Lockdown" weg wie warme Semmeln.Clemens Pilz
Was bewegt Menschen dazu, sich für Klopapier stundenlang vor Supermärkten die Beine in den Bauch zu stehen? Auch Forscher rätseln.

In Zeiten sozialer Unsicherheit Lebensmittel zu horten, scheint nachvollziehbar. Warum aber ein auf den ersten Blick so belangloses Produkt wie Toilettenpapier bunkern? Diese Frage beschäftigt seit den ersten Corona-Sperren auch die Forschung. Zur Erinnerung: Im Frühjahr deckten sich Menschen auf der ganzen Welt mit riesigen Mengen an "weißem Gold" ein. Fotos und Videos vom Ansturm in den Supermärkten gingen durch alle Medien.

Für Verbraucherpsychologen ist der massenhafte Ankauf von Klopapier "offensichtlich irrational". Ein Grund für das Verhalten könnte demzufolge eine Herdenmentalität sein, die durch Medienberichte und Postings auf Social Media befeuert wird. Fotos von leeren Supermarktregalen bestärken den Drang, Produkte auf Vorrat zu kaufen. Dass die Lager der Märkte im Hintergrund gut gefüllt sind, tut der emotionalen Wirkung keinen Abbruch. 

Optische Wirkung zählt

"Wenn 50 Packungen Klopapier aus den Regalen verschwinden, dann sieht das viel dramatischer aus, weil so viel Platz frei wird", analysiert Professa Debra Grace von der Griffith Universität in Australien. "Das bemerkt man viel eher, als 50 Dosen Bohnen oder Desinfektionsmittel." Darüber hinaus spielen laut Psychologen der gefühlte Kontrollverlust und ein gesteigertes Bedürfnis nach Hygiene eine Rolle.

Je größer das Bedrohungsgefühl, desto mehr wird gebunkert

Ein Team vom Max-Planck-Institut in Leipzig hat ein weiteres Motiv für Hamsterkäufe von Toilettenpapier identifiziert. Die Forscher befragten insgesamt 1.029 Erwachsene aus 35 Ländern für ihre Studie. Ergebnis: Menschen, die sich stärker bedroht fühlten, neigten dazu, mehr Toilettenpapier zu horten.

Etwa 20 Prozent des Effekts waren auf das Persönlichkeitsmerkmal Emotionalität zurückzuführen. Auch die Dimension der Gewissenhaftigkeit hatte Einfluss auf das Verhalten. 

Schon wieder erste Hamsterkäufe

Szenen wie vor dem ersten Lockdown haben sich bislang nicht wiederholt. Angesichts der steigenden Infektionszahlen decken sich aber bereits wieder viele mit Vorräten an Toilettenpapier ein. Das ist insofern kein Wunder, als die subjektive Bedrohung durch das Coronavirus laut Forschern wohl der entscheidende Faktor ist. "Von einem umfassenden Verständnis dieses Phänomens sind wir jedoch noch weit entfernt", so die Forscher des Max-Planck-Instituts.

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