Es ist das Bild zur Krise. Tennis-Ass Dominic Thiem trainiert mit seinem Vater Wolfgang in der Südstadt, draußen auf Sand in der Sonne. Sein Mentor Günter Bresnik übt zeitgleich mit Ernests Gulbis einige Meter weiter, drinnen in der Halle.
„Das ist wie in einer Ehe. Da gibt es auch gute und schlechte Zeiten. Wir haben in 15, 16 Jahren mehr Zeit miteinander verbracht als mit unseren jeweiligen Familien", sagt Thiem offen zur Krise. Derzeit sind es schlechte Zeiten. Die Risse sind nach „Heute"-Infos nicht unkittbar, aber tief.
Worum geht es? Nein. Nicht wie Thiem meinte, um das Anfeuern bei Matches, das der neue Touring-Coach Nicolas Massu besser könne als der 57-jährige Bresnik. Thiem und Bresnik haben unterschiedliche Ansichten. Im autoritären System Bresnik zählte lange nur eine Meinung. Thiem ist Mann geworden, hat sich emanzipiert, geht jetzt seinen Weg. Das kann gut sein, bringt aber auch Risiken mit sich. Klar ist: Ab jetzt ist nichts mehr, wie es war.
Bresnik bezeichnet Thiem als „Meisterstück". 17 Jahre feilte er an ihm. Mit Erfolg! Einem Volksschüler, der nicht still stehen konnte, gab er Waffen, mit denen er als 25-Jähriger Roger Federer auf drei verschiedenen Belägen geschlagen hat. Alles gut? Nein. Thiem ist die Nummer fünf der Welt, hat aber auch offensichtliche Schwächen wie die Konstanz.
Die Krise ist nicht neu, sie gibt es seit Jänner. Thiem ortete Fehler in der Saisonvorbereitung. Drei Mal war er krank, zu rasch sei wieder trainiert worden. Bresnik spricht von normalen „Abnützungserscheinungen", ist froh darüber, dass Thiem selbständig ist: „Er kann jetzt alleine laufen."
Wie es bei Ehen so ist, spielt auch das Geld eine Rolle. Bresnik machte als Manager seinen Schützling zur Cash-Cow: Rolex, Red Bull, Bank Austria, Saturn, Adidas, Babolat, Kia – der Rubel rollt, auch für Bresnik. Dessen Rolle bleibt vorerst unklar. Fix ist: Thiem will, dass Massu 2019 in der Box sitzt.
Und Bresnik? Sieht die French Open im Fernsehen? Schwer vorstellbar. Es gibt viele offene Fragen. Thiem ist an einer wichtigen Kreuzung in seiner Karriere.