Im Weinviertel wurden in den letzten fast hundert Jahren mehr als 4.000 Bohrlöcher in den Boden getrieben, um Öl zu fördern. Doch die Zeiten ändern sich: Immer weniger Öl wird aus der Erde geholt, einige Bohrlöcher braucht die Kohlenwasserstoffindustrie bald nicht mehr. Jetzt will man diese Löcher aber nicht einfach zuschütten, sondern für Geothermie nutzen.
Wie orf.at berichtet, hat das TRANSGEO-Projekt, bei dem GeoSphere Austria eine wichtige Rolle spielt, europaweit nach passenden Sedimentbecken gesucht. Im Fokus standen etwa das Pannonische Becken, das Molassebecken oder das Norddeutsche Becken. In insgesamt acht Testregionen – darunter auch im Weinviertel – wurden drei Jahre lang Machbarkeitsstudien durchgeführt. Die Regionen liegen in Österreich, Deutschland, Ungarn, Slowenien und Kroatien.
Im Weinviertel könnten laut Geologin Monika Hölzel von GeoSphere Austria rund 100 Bohrlöcher nach dem Ende der Ölförderung zur geothermischen Nutzung umfunktioniert werden. "Je nach Standort und Tiefe variiert die Beschaffenheit des geologischen Untergrundes und der Wärmeleistung", sagt sie gegenüber dem "ORF NÖ". Die alten Bohrlöcher könnten dann als tiefe Wärmetauscher, Untergrund-Wärmespeicher oder zum Heizen und sogar zur Stromerzeugung mit heißem Wasser verwendet werden.
Im Weinviertel sind Tiefenbohrungen schon lange üblich. Die tiefste Bohrung Österreichs, "Zistersdorf Übertief2a", wurde am 31. Mai 1983 abgeschlossen – sie reicht 8.566 Meter in die Erde. Im Durchschnitt sind die 4.000 Bohrlöcher rund 1.500 Meter tief.
Für die Nutzung zur Erdwärme sind aber nicht nur die Tiefe, sondern auch der Durchmesser und der Zustand der Bohrlöcher entscheidend. Geologin Hölzel erklärt: "Der Durchmesser sollte nicht kleiner als sieben Zoll (knapp 18 Zentimeter, Anm.) sein. Das ist die technische Grenze für Rohre, in denen Wärme bzw. Wasser zirkuliert."
Ein Problem gibt es aber: Die Entfernung zu den Haushalten oder Betrieben darf nicht zu groß sein, sonst geht zu viel Wärme verloren. Das ist im dünn besiedelten Weinviertel nicht ideal.
"Für Österreich hat sich die Tiefe Erdwärmesonde als vielversprechendste Technologie herausgestellt. Die Umbaukosten sind abhängig von Tiefe und Material und betragen zwischen 300.000 und 500.000 Euro. Man erspart sich jedoch die Bohrkosten, die im Millionenbereich liegen", sagt Monika Hölzel. Ihrer Meinung nach gibt es auch politisches Interesse an dem Projekt.