Die Lage im Nahen Osten verschärft sich immer weiter – und das spürt man längst auch in Österreich. Der Krieg rund um den Iran sorgt auf den internationalen Märkten für Unruhe, Öl wird knapper gehandelt, die Preise ziehen an. Bedeutet ganz konkret: Tanken und Heizen werden teurer. Viel teurer. Schon jetzt klettern die Preise an den Zapfsäulen deutlich nach oben, in manchen Regionen kostet ein Liter Super bereits weit über 2 Euro, ebenso Diesel.
Wenn Fördermengen unsicher werden oder Transportwege gefährdet sind, reagieren die Börsen sofort. Händler geben diese Kosten schnell weiter. Auch Strom und Gas ziehen in den kommenden Wochen nach, weil viele Energiepreise miteinander verknüpft sind. Branchenvertreter warnen laut aktuellen Einschätzungen, dass sich die Lage rasch zuspitzen könne, wenn der Konflikt weiter eskaliert.
Für viele Haushalte ist das eine zusätzliche Belastung in ohnehin angespannten Zeiten. Pendler, Familien und Betriebe müssen tiefer in die Tasche greifen. Die Politik steht unter Druck, mögliche Entlastungen zu prüfen. Doch selbst der von der Regierung angekündigte direkte Eingriff in die Spritpreise scheint wenig bewirken zu können. Was kann die Politik da wirklich tun? Das analysierte Energie-Experte Walter Boltz im "ZIB2"-Studio am Montagabend.
Bei ORF-Moderator Armin Wolf erklärte der ehemalige E-Control-Vorstand, was er vom Plan der Bundesregierung hält. Bekanntlich geplant: Eine Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter sowie ein zeitlich begrenzter Deckel für Margen von Tankstellen, um Preisentlastungen von insgesamt rund 10 Cent pro Liter zu bringen. Diese Schritte sind bis Ende Dezember 2026 befristet und sollen Parlament und Öffentlichkeit zumindest kurzfristig Luft verschaffen.
"Ich glaube, die Situation ist relativ ernst in den Emiraten und im ganzen Golf, und ich glaube nicht, dass die Energiepreise jetzt nachhaltig wieder sinken werden in den nächsten Wochen zumindest", so Boltz. Ein Diesel-Preis von drei Euro pro Liter sei "etwas ehrgeizig", so Boltz., er gehe aber davon aus, "dass wir in absehbarer Zeit auf 2,50, 2,70 kommen". Man habe zum ersten Mal bei Flüssiggas und bei Öl gleichzeitig "massive Ausfälle", das sei "dramatisch".
Beim Öl gehe der Experte "wenn überhaupt" nur von sehr kurzfristigen Versorgungsproblemen aus, "weil wir global einiges an zusätzlicher Ölproduktion mobilisieren können", bei Gas sei es dagegen so, "dass die preise einfach so viel steigen werden, dass die Gasverbrauchsentwicklung etwas gedämpft ist". Folge sei wohl, dass Europa zwar an einer Versorgungskrise vorbeischramme, die Preise aber extrem hoch sein würden.
Es werde Jahre dauern, bis die Preise wieder auf Vorkriegs-Niveau seien, so Boltz, "selbst bei sofortigem Ende der Kampfhandlungen" würde es mindestens zwei bis drei Jahre dauern, die beschädigten Anlagen zu reparieren und die Preise sinken zu lassen. "Ich glaube, dass es etwas mehr als nur Appelle geben sollte", so der Experte zur Frage, ob Aufrufe zu autofreien Tagen und ähnliches notwendig seien.
"Tempolimits sind ein relativ geringer Eingriff", so Boltz. Wenn man es in ganz Europa schaffe, den Ölverbrauch um zehn oder 15 Prozent zu senken, werde man wohl einen signifikanten Rückgang der Preise sehen. Die österreichische Politik alleine habe laut dem Experten dagegen nur einen eher kleinen Spielraum, etwas gegen die steigenden Preise zu unternehmen. Hohe Preise seien ein Signal an Konsumenten, dass etwas knapp sei und gespart werden solle.
"Ich glaube, dass die Regierung nicht wahnsinnig viel mehr machen kann, wenn man nicht massiv die budgetären Auswirkungen verkraften kann", so Boltz. Umgekehrt würden es die Raffinerien "relativ leicht haben", Regelungen der Politik zu umgehen, so der Experte. Die Effekte würden deshalb "rasch verpuffen". Aus der Krise des Ukraine-Krieges habe man laut Boltz "nicht genug" gelernt, der Ausbau der Erneuerbaren sei nicht genug vorangetrieben worden.
Während man in Österreich nach der Ukraine-Krise geglaubt habe, jetzt werde wieder alles gut und man müsse sich nicht besonders bemühen, was sich nun räche, habe Spanien den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorangetrieben, so Boltz. Die Folge sei, dass in Spanien die Preise bei weitem nicht in jenem Ausmaß von Rest-Europa steigen würden. Ein Ende der Merit-Order werde übrigens laut Boltz in der EU keine Mehrheit finden und deswegen nichts ändern.